Internet

Offline oder online - das ist hier die Frage

Spaltet die Nutzung des Internets unsere Gesellschaft?
Von dpa / Julia Scholz

Onlinequote unter den Senioren legt zu: Internetclub für Senioren, Bild: dpa Ein Leben ohne Internet können sich viele PC-Anwender gar nicht mehr vorstellen: Bankgeschäfte, Reisebuchungen oder Ticketbestellungen wie für die Fußballweltmeisterschaft werden heute zunehmend online abgewickelt. Dennoch ist ein Internetzugang in Deutschland keine Selbstverständlichkeit. Ein großer Teil der Bevölkerung ist immer noch offline - mit allen negativen Konsequenzen: Wer nicht "drin" ist, zahlt bei vielen Dienstleistungen drauf und bleibt von zahlreichen Angeboten ausgeschlossen.

"Durch die Kluft zwischen Onlinern und Offlinern werden auch die traditionellen sozialen Gräben in der Gesellschaft vertieft", sagt Gernot Gehrke, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für Medienkompetenz in Marl (Nordrhein-Westfalen), das die Rolle des Internets im Projekt "Digitale Teilung" untersucht hat. Hätten Internet-Fans das Netz früher als Integrationsmedium gepriesen und sich von ihm größere Chancengleichheit erhofft, zeige sich heute, dass Randgruppen dadurch teilweise noch stärker ausgrenzt werden.

Sozialer Ausgrenzungsfaktor Internet

Die Internetnutzung hängt auch vom Einkommen ab, erklärt Frank Wagner vom Meinungsforschungsinstitut Infratest in München, das jedes Jahr den Nonliner-Atlas herausgibt. Demnach waren im Jahr 2004 drei Viertel aller Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen über 3000 Euro online, unterhalb der Grenze von 1000 Euro jedoch nur knapp 30 Prozent. Gerade sozial Schwächere sind daher laut Wagner durch die Internetverbreitung benachteiligt.

Zudem spiegele sich die Bildungskluft in Deutschland klar in den Nutzergruppen des Internets, sagt Jutta Croll, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Chancen in Berlin. So waren Infratest zufolge im vergangenen Jahr drei von vier Studenten und Abiturienten im Netz aktiv, während Hauptschulabsolventen zu 57 Prozent offline blieben. Diese hätten dadurch auch Nachteile auf dem Arbeitsmarkt. "Der Vorsprung der Info-Elite wächst durch die Internetnutzung", so Croll.

Ähnliches gelte oft auch in Bezug auf Arbeitslose und Ausländer, sagt Institutsleiter Gehrke. Unter den Arbeitslosen beispielsweise waren laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2004 insgesamt 44 Prozent ohne Internetzugang. Dadurch fänden sie nicht nur weniger Stellenangebote. Bei der Jobsuche könne PC- und Interneterfahrung heute eine Schlüsselqualifikation sein, sagt Gehrke.

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