Elektro-Smog

Mobilfunk-Forschung: Zwischen Panikmache und Desinteresse

Zahlreiche Studien untersuchen Mobilfunk und Gesundheit - handfeste Ergebnisse gibt es kaum
Von dpa / Marie-Anne Winter

Mobilfunkkritiker wie Bernd Rainer Müller finden, dass die Kriterien, nach denen Studien von etablierten Wissenschaftlern oder den zuständigen Behörden anerkannt oder abgewiesen werden, nicht immer nachvollziehbar sind. Doch selbst wenn Studien den Grundsätzen wissenschaftlicher Forschung genügen, ziehen Experten daraus häufig unterschiedliche Schlüsse. "Das ist völlig normal, aber Laien leider oft schwer zu vermitteln", erklärt Prof. Leitgeb.

Die Gründe dafür sind vielfältig: So genannte epidemiologische Studien etwa berücksichtigen die Lebenssituation der untersuchten Personen. Bei diesen Untersuchungen im realen Umfeld gibt es aber vergleichsweise viele Einflüsse, die das Ergebnis verfälschen können.

Hinzu kommt Leitgeb zufolge, dass auch Studien veröffentlicht werden, deren Ergebnisse bekanntermaßen eine geringe Aussagekraft haben. So sorgten im Jahr 2004 zwei Studien aus Dänemark und Schweden für Aufsehen, weil sie einigen Experten zufolge einen Zusammenhang zwischen einer Tumorbildung und der Handynutzung feststellten. Beide Untersuchungen seien jedoch von vornherein als Teilstudien einer größeren internationalen Studie vorgesehen gewesen, weshalb die Zahl der untersuchten Personen vergleichsweise gering und damit für sich allein genommen noch nicht aussagekräftig genug sei.

Die Mobilfunknutzung ändert sich ständig

Aufschlussreich könnte laut Leitgeb die Interphone-Studie sein, die voraussichtlich am Ende des Jahres fertig wird. Diese von der Weltgesundheitsorganisation WHO koordinierte epidemiologische Studie untersucht seit dem Jahr 2000 Zusammenhänge von Gehirntumoren und Handynutzung.

Wer eine endgültige Antwort auf die Frage erwartet, ob Mobilfunk krank macht, wird jedoch noch lange warten müssen: "Das kann keine einzelne Studie und kein Forschungsprogramm leisten", sagt Leitgeb. Denn dazu müssten Untersuchungen angestrengt werden, die Jahrzehnte dauern, um Langzeitwirkungen ausschließen zu können.

Hinzu kommt, dass sich die Mobilfunktechnik laufend ändert - die Voraussetzungen für Langzeitstudien bleiben also nicht immer gleich. Auch die Art und Weise, wie Handys genutzt werden, ändert sich ständig, sagt Bernd Rainer Müller. Beim Verwenden einer eingebauten Kamera etwa wird das Handy anders gehalten als beim Telefonieren. "Das müsste in der Forschung mehr berücksichtigt werden."

Müller zufolge führen viele Studien nicht zu "echten" Ergebnissen: "Oft werden nur Detailfragen gelöst, die gesundheitliche Relevanz jedoch nicht geklärt." Uwe Möbius von der Forschungsgemeinschaft Funk dagegen meint, es müsse mehr grundlegende Untersuchungen von biologischen Wirkungsmechanismen geben. "In Sachen Mobilfunk gibt es aber keinen Mangel an Erkenntnis, sondern einen Mangel an Vertrauen", sagt Prof. Norbert Leitgeb. Die vorhandenen Forschungsergebnisse müssten daher einfach stärker kommuniziert werden.

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