Wettbewerb

"Tchibo ist nur ein Nischenprodukt"

Billig-Konkurrenz lässt die etablierten Mobilfunkanbieter kalt
Von Björn Brodersen

Virtuelle Netzbetreiber, die derzeit auf den deutschen Markt drängen, erregen großes Aufsehen unter den Mobilfunkkunden - die großen Mobilfunknetzbetreiber lassen sie aber kalt. T-Mobile sowie Vodafone erklärten unisono gegenüber der teltarif-Redaktion, nicht in besonderer Weise auf die neuen Angebote von Billiganbietern wie Tchibo oder Lekkerland-Tobaccoland reagieren zu wollen. "Das ist nichts, was den Markt bewegt", ist sich Husam Azrak, Pressesprecher von T-Mobile, sicher. Das sieht Jens Kürten, Leiter Externe Kommunikation bei Vodafone, ähnlich: "Das Angebot von Tchibo bedeutet keine Revolution, sondern ist eher ein Nischenprodukt", sagte er im Gespräch.

Tchibos Erfolgsrezept ist die Preistransparenz

Dabei deutete das Angebot des Kaffeerösters, der sein Prepaid-Paket aus Handy und SIM-Karte in Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber o2 anbietet, zunächst auf einen durchschlagenden Erfolg hin. Nach eigenen Angaben gingen bei Tchibo allein in den ersten beiden Tagen nach Verkaufsstart über 20 000 Prepaid-Pakete über den Ladentisch. 146 000 Kunden telefonierten nach o2-Angaben Ende des vergangenen Jahres bereits mit einer Tchibo-Karte. Grund für Tchibo, das Angebot weiter auszubauen. Ausschlaggebend für die rege Nachfrage war die Preistransparenz: Wer "tchibofoniert", zahlt einen einheitlichen Minutenpreis von 35 Cent für alle Gespräche ins deutsche Festnetz sowie in alle Mobilfunknetze. Das Abrufen der Mailbox ist sogar kostenlos. T-Mobile-Sprecher Azrak findet aber, dass die Kundenzahlen im gesamten Verhältnis zu vernachlässigen sind.

Der anfängliche Erfolg von Tchibo ermuntert aber auch andere branchenfremde Firmen, ebenfalls einen eigenen Mobilfunktarif zusammen mit einem der Netzbetreiber auf den Markt zu bringen. So bietet Lekkerland-Tobacco rund 50 000 Kiosken, Tabakwarenfachgeschäften und Tankstellen, die mit Waren von Lekkerland-Tobaccoland beliefert werden, mit Xtra und los ebenfalls einen Prepaid-Tarif mit Einheitspreis an, allerdings ohne dazugehöriges Handy. Außerdem prüfen zurzeit eine Reihe von anderen Unternehmen wie das Bonussystem Payback, der Möbelkonzern Ikea, die Billigfluglinie Easygroup und verschiedene Tankstellenbetreiber, ob sie ebenfalls in das Geschäft mit dem Verkauf von Handys und mobilen Diensten einsteigen sollen. Darüber hinaus sind neue Prepaid-Angebote von debitel (CallYa Real) sowie uboot.com [Link entfernt] (Schwarzfunk) hinzu gekommen.

1 2