Software-Probleme

DSL-Chaos: Kein Ende in Sicht

Noch immer warten Zehntausende von Neukunden auf ihren Anschluss
Von Björn Brodersen
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Die Deutsche Telekom bekommt ihre Software-Probleme bei der Bereitstellung von DSL-Anschlüssen offenbar nicht in den Griff. Noch immer müssen Kunden der Reseller wie 1&1, Arcor und freenet teilweise mehrere Monate auf ihren bestellten Anschluss warten. Mitte des Monats waren davon nach Angaben des Handelsblatts rund 120 000 Neukunden betroffen. Die Fehlerpalette im Bestellprozess bei der T-Com reicht von fehlenden Rückmeldungen über falsche Termine bis hin zu abgelehnten Kunden, die dann doch freigeschaltet werden.

Noch immer stapeln sich bei den Wiederverkäufern von DSL-Anschlüssen der Telekom die unbearbeiteten Anträge. Alleine bei United Internet sind rund 50 000 Kunden von den massiven Verzögerungen bei der Bestellung des Breitband-Internetzugangs betroffen. An einen Zufall mag Vorstandschef Ralph Dommermuth nicht glauben: "Die Telekom hat ihre Technik nicht im Griff, der Kunde ist unzufrieden, und wir müssen das Dilemma ausbaden", sagte er gegenüber dem Focus Magazin. Normalerweise richtet die Telekom-Tochter einen Zugang innerhalb von fünf Tagen nach der Unterzeichnung des Vertrags ein.

Telekom schließt kurzfristige Lösung des Problems aus

Wie das Magazin in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, hat die Telekom bereits Krisengespräche mit mehreren Firmenchefs der Reseller, die seit vergangenem Sommer Anschlüsse der Telekom unter eigenem Namen vertreiben, geführt. Die Gespräche geben aber wenig Anlass zur Hoffnung: Der Ex-Monopolist schließt den Focus-Angaben zufolge "eine kurzfristige Lösung des Problems aus". Gegenüber der teltarif-Redaktion erklärte T-Com-Pressesprecher Willfried Seibel, dass die Festnetzsparte der Telekom im Zusammenspiel mit den Resellern die Schwachstellen identifizierte und "mit Hochdruck an deren Beseitigung" arbeite. Inzwischen verzeichne die T-Com einen "kontinuierlich wachsenden Bestand an umgesetzten Resale-Aufträgen". Genauere Angaben machte Seibel allerdings nicht.

Der Pressesprecher machte zudem deutlich, dass die T-Com auf keinen Fall beabsichtige, den Markt zu behindern. "Wir wollen gemeinsam mit den Wettbewerbern den Breitbandmarkt in Deutschland vorantreiben. Auch wir haben ein Interesse daran, dass Resale-DSL funktioniert", sagte Seibel. "Aus diesem Grunde haben wir im vergangenen Jahr die Managemententscheidung für den Resale von DSL getroffen und seinerzeit unter hohem Zeitdruck ein großes Projekt umgesetzt, um unseren Wettbewerbern die Möglichkeit zu geben, auf Basis von Resale-DSL eigenständig Produkte anbieten zu können." Dazu seien umfangreiche Vorarbeiten in den Bereichen Datenverarbeitung, Steuerung der Arbeiten sowie Schnittstellen für die Anlieferung der Aufträge notwendig gewesen, die Anlaufprobleme nicht vollständig ausgeschlossen hätten.

1&1: 70 Mitarbeiter befassen sich nur mit den Problemfällen

1&1 hat bereits Schritte angekündigt, um sich von den Netzleistungen der Telekom unabhängiger zu machen. So will der Anbieter in Kürze mit dem Aufbau einer eigenen DSL-Infrastruktur in Ballungszentren beginnen. Auch freenet prüft den Aufbau eines eigenen DSL-Netzes. Vorstellbar ist auch, dass die beiden Unternehmen zusammen ein Konkurrenznetz zu dem der T-Com anlegen. Offen ist allerdings noch, welche Technologie dabei verwendet werden soll.

Bei der United Internet-Tochter 1&1 sind inzwischen rund 70 Mitarbeiter mit der Klärung der von der T-Com fehlerhaft verarbeiteten DSL-Aufträge beschäftigt. Kunden können den Stand ihres DSL-Auftrages auf der Info-Website [Link entfernt] von 1&1 ablesen. Zusätzlich wurde zur Abfrage der aktuellen Lage eine kostenfreie Info-Line unter der Nummer 0800 - 10 00 522 eingerichtet. Die zum DSL-Anschluss gehörende Telefon-Nummer sollte dabei bereit gehalten werden. Da die Probleme der Telekom fast alle DSL-Anbieter beträfen, beschleunige auch eine Stornierung und Neubeauftragung die DSL-Schaltung nicht, sondern verzögere sie zusätzlich, heißt es bei dem Unternehmen in Montabaur. Sobald der individuelle Einrichtungstermin bekannt gegeben wird, informiere 1&1 die Kunden in schriftlicher Form. Bis dahin heißt es warten.

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