Rückblick

Security 2004: Viren, Phishing und Handy-Trojaner

Über 100 000 verschiedene Viren machen das Internet unsicher
Von Christian Horn
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Viren-Epidemien mit Millionen weltweit infizierten Computern, Phishing, eine neue Art des Online-Betrugs, Microsofts Service Pack 2 für Windows XP und die ersten Würmer auf Handys - das waren die Security-Highlights des Jahres 2004: Unser Rückblick fasst für Sie die wichtigsten Ereignisse und Trends zusammen.

Mydoom, Netsky, Sasser und Bagle - das sind die nur prominentesten Vertreter der Schädlings-Gattung Internet-Virus, die im Jahr 2004 die Internetnutzer auf Trab hielten. Insgesamt jedoch sichteten Virenjäger im Verlauf des Jahres über 10 000 neue Viren, Würmer und Trojaner. F-Secure meldete den 100 000sten Vertreter der Viren-Spezies - wer es heutzutage wagt, seinen Rechner ohne aktualisierten Virenscanner mit dem Internet zu verbinden, hat innerhalb weniger Minuten einen Schädling im System.

Microsoft muss Mydoom-Angriff ausweichen

Den Reigen der großen Viren-Epidemien 2004 eröffnete Mydoom. Der Internet-Wurm raste Anfang Februar durchs Netz und infizierte allein innerhalb von 24 Stunden über 300 000 Rechner. In seiner Hochzeit verursachte er zehn Prozent des weltweiten E-Mail-Verkehrs. Den Schreibern des Schädlings war offenbar viel an der Publicity ihres Produktes gelegen: Mydoom hatte einige spektakuläre Denial of Service-Attacken (DoS) einprogrammiert. Die Webserver des amerikanischen Softwareherstellers SCO wurden für mehrere Tage in die Knie gezwungen. Microsoft konnte dem angekündigten DoS-Angriff nur durch Verlagerung seiner Webseiten auf eine Alternativadresse ausweichen.

"2004 war das Jahr des Netsky"

Die diversen Mutationen des Wurmes Netsky machten nach dem ersten Erscheinen im Februar massiv seit April das Netz unsicher - am 23. April hatte er schon alle Buchstaben durchdekliniert. Netsky.X demonstrierte eine Abneigung gegen die schulische Bildung und griff Server von Bildungseinrichtungen an. Netsky.P wurde mit einem Anteil von 22,6 Prozent Spitzenreiter in der Rangliste der zehn schlimmsten Viren des Jahres beim Sicherheits-Spezialisten Sophos.

Sasser-Panik legt das Rechnernetz der Postbank lahm

Nach Netsky machte Anfang Mai Sasser die Runde. Schlampig programmiert wie er war, schickte der Wurm die Opfer-Rechner unbeabsichtigt in eine nervtötende Ein- und Ausschaltschleife. Auch Sasser entwickelte schnell neue Varianten und die um sich greifende Sasser-Panik legte das Rechnernetz der Postbank bundesweit lahm. Der als Vorsichtsmaßnahme erhöhte Firewall-Grenzwert war so hoch gesetzt worden, dass gleich gar nichts mehr ging.

Netsky und Sasser sollten auch, nachdem ihr Autor, ein 18-jähriger Schüler aus Niedersachsen, am 8. Mai festgenommen worden war, ihren Siegeszug in den Virenhitlisten fortsetzen. Noch im November war Netsky.P der am häufigsten gemeldete Virus. Graham Cluley von Sophos resümiert: "2004 war das Jahr des Netsky. Sagenhafte fünf Varianten davon haben es in die Jahres-Rangliste geschafft. Damit ist erwiesenermaßen ein deutscher Teenager für mehr als die Hälfte aller 2004 gemeldeten Virenvorfälle verantwortlich."

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