DAB

Digital Radio vor dem Aus?

Neues Hörfunksystem in Deutschland bislang ohne Erfolg
Von Volker Schäfer
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Während sich das terrestrische Digital-Fernsehen (DVB-T) in den bereits mit dieser neuen Technik erschlossenen Regionen einer großen Beliebtheit erfreut, fristet das über Antennenfrequenzen verbreitete Digital Radio (DAB) nach wie vor ein Schattendasein. Auch fünf bis sechs Jahre nach dem Start des Regelbetriebs in den meisten Bundesländern haben sich kaum mehr als 100 000 Freaks bislang zum Kauf eines Empfängers überreden lassen.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. So ist das Programmangebot mit durchschnittlich fünf bis sieben Programmen in jeder Region deutlich kleiner als auf UKW. Lediglich im Umfeld von Städten verdoppelt sich die Anzahl der hörbaren Sender. Auch die Möglichkeit, Programme aus benachbarten Bundesländern zu empfangen, sind deutlich eingeschränkt. Der "Overspill" der digitalen Wellen ist deutlich kleiner als in der analogen Welt.

So kann ein SWR3-Fan in Köln auf UKW seinen Lieblingssender in bester Stereo-Qualität empfangen, während das DAB-Signal aus dem benachbarten Rheinland-Pfalz schon kurz vor Bonn nur noch mit Aussetzern hereinkommt. 89.0 RTL ist auf UKW bis kurz vor Bremen zu empfangen, während die DAB-Wellen vom Brocken im Harz nicht einmal bis Hannover reichen.

DAB-Empfang schlechter als auf UKW

Deutlich schlechter als vom UKW-Rundfunk gewohnt ist auch der Empfang der in der DAB-Norm ausgestrahlten Hörfunkprogramme in geschlossenen Räumen. Selbst im Kernbereich der Sendegebiete muss man innerhalb von Häusern oft mit Aussetzern leben, während der Autoradioempfang oder der Empfang über eine Dachantenne völlig einwandfrei ist.

Nach wie vor gibt es auch nur eine recht bescheidene Auswahl an Empfangsgeräten, die im normalen Handel kaum erhältlich sind. Einstiegspreise von mindestens 150 bis 200 Euro sind auch nicht gerade zum Kauf einladend, wenn man bedenkt, dass es DVB-T-Receiver zum Teil schon für unter 50 Euro gibt.

MABB zieht Notbremse

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) will nun auch die Notbremse ziehen und keine weiteren Gelder in die DAB-Technik mehr investieren. Allen Marketingkampagnen zum Trotz sei das System auf dem Markt bislang nicht angenommen worden. Die MABB fordert nun, die digitale Zukunft des Mediums Radio zumindest zu überdenken, um in gut zwei Jahren neu durchzustarten.

In verschiedenen Bundesländern sprangen inzwischen auch einige Programmanbieter ab, nachdem die staatlichen Förderungen für den digitalen Hörfunk eingestellt wurden. Gerade private Sendeanstalten sehen kaum einen Sinn darin, Gelder für einen Verbreitungsweg auszugeben, der fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet und somit auch keinen einzigen zusätzlichen Werbekunden bringt.

Hit Radio RPR [Link entfernt] Eins, Domradio und Radio in Trier in Rheinland-Pfalz, Klassik Digital Nord in Niedersachsen sowie Antenne und Landeswelle Thüringen sind nur einige Beispiele für Privatsender, die den DAB-Rundfunk inzwischen wieder verlassen haben. Andere Anbieter wie RTL Radio und Sky Radio in Hessen haben den Sendebetrieb erst gar nicht aufgenommen.

Mit dem Südwestrundfunk hat inzwischen auch eine erste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ihre DAB-Aktivitäten überdacht. Eine Reduzierung der verbreiteten Programme in Baden-Württemberg konnte gerade noch einmal verhindert werden. Dafür müssen die wenigen Hörer nun damit leben, dass der SWR seine Programme mir einer geringeren Datenrate und somit in schlechterer Klangqualität ausstrahlt. So werden Kosten eingespart, die an anderer Stelle benötigt werden, nachdem die Erhöhung der Rundfunkgebühren im kommenden Jahr nicht im von den ARD-Anstalten erhofften Umfang ausfällt.

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