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Editorial: Nummer hier, Nummer da

Zuteilungsprobleme für VoIP-Rufnummern

Telefonnummern wurden immer schon für alles mögliche verwendet. Neben "normalen" Telefongeräten kann sich hinter einer Rufnummer auch ein Telefax, eine ISDN-Karte für Datenübertragungen oder gar ein Sprachcomputer befinden. Und dank Rufweiterleitung kann sich der Angerufene auch in einer andere Stadt oder in einem anderen Land befinden als dem, das durch die Vorwahl suggeriert wird.

Insofern mutet es als steinzeitlicher Anachronismus an, wenn die Regulierungsbehörde (RegTP) nun fordert, Rufnummern für VoIP-Anschlüsse nur gemäß dem Wohnort des Nutzers zu vergeben. Denn VoIP-Telefonanschlüsse sind beliebig mobil. Alles, was man braucht, ist ein Internetzugang, um auch fern der Heimat VoIP-Anrufe unter seiner gewöhnlichen Telefonnummer entgegennehmen zu können. Die Entfernung spielt im Internet praktisch keine Rolle mehr.

VoIP-Nutzer haben ein verständliches Interesse, eine solche Rufnummer zu erhalten, die zu günstigen Konditionen von überall erreichbar ist. Und das sind nunmal "normale" geographische Rufnummern. Vom Festnetz, aber auch vom Handy aus, kosten 0700, 01801 oder 01212 deutliche Aufpreise. Vom Ausland sind diese Nummern oft gar nicht erreichbar.

Nun hat die Regulierungsbehörde die Rufnummerngasse 032 als neue Alternative vorgeschlagen. Gegen eine solche "überregionale" Vorwahl ist auch nichts einzuwenden. Nummernzuteilungen könnten unbürokratisch erfolgen. Wenn konsequent acht-ziffrige Rufnummern verwendet werden, hätte man auch genügend 032-Nummern für alle Bundesbürger, inklusive Kinder und Rentner.

Doch müssen für solche überregionale Rufnummern zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Der Anruf zu 032 darf im Interconnect nicht mehr kosten als ein Ferngespräch. Zusätzlich muss diese Vorwahl aus allen Netzen, inklusive dem Ausland, problemlos erreichbar sein. Zur Lösung dieser beiden Forderungen könnte man eine Art "virtuelles Ortsnetz" 032 aufbauen, etwa in der Nähe von Berlin. Dort würden alle Gespräche von und zu 032 übergeben, wenn sich die beteiligten Carrier nicht auf andere Bedingungen einigen können oder wollen. Denn datenbankbasierte Lösungen mit individuellen Interconnect-Verträgen, wie bei 0180x oder anderen Sondernummern, sind zu teuer.

Doch bis heute gibt es noch nicht einmal Zuteilungen von 032-Rufnummern, geschweige denn IC-Verträge oder gar real geschaltete Leitungen. Von daher kommt die Untersagung der ortsfremden geographischen VoIP-Rufnummern durch die Regulierungsbehörde zur Unzeit.