Reißleine

Toter Briefkasten: ePost gibt auf

Bestehende ePostfächer zum Februar 2005 gekündigt.

Die Idee war bestechend: Jeder Deutsche sollte neben seiner Briefadresse (für die klassische Post) eine E-Mail-Adresse bekommen. Vielleicht auch dann, wenn er noch gar keinen Internet-fähigen Computer haben sollte. Statt Matthias Muster, Beispielstrasse 123 in 123456 Demostadt hätte man matthias.muster@ePost.de auf einen Briefumschlag schreiben und ihn im Postkasten einwerfen können, das wäre praktisch und nützlich gewesen. Doch das Geschäftsmodell ging nicht auf. Die Anmeldung war anfangs sehr formal und aufwändig: Per Bestätigungspostkarte schickte die Post dem Anmelder einen Freischaltcode, später wurde das Verfahren aufgegeben. Die User standen auf "kostenlos". Was GMX oder web.de zu Erfolgen verhalf, funktionierte bei ePost irgendwie nicht.

Eine erste Kündigungswelle lösten die Postmanager aus, als sie dem Basisprodukt wesentliche Funktionen wie POP3-Abfrage und Weiterleitung nehmen wollten. Wer diese Funktion behalten wollte, musste seine Daten der Werbewirtschaft preisgeben, das aber wollten viele nicht. Die Alternative wäre ein Bezahldienst gewesen, auch diesen fanden nur wenige User interessant, zumal sporadische Störungen und ein schwer erreichbarer Kundenservice in den Foren des Internets diskutiert wurden. Per E-Mail zog die elektronische Post nun die Reißleine und kündigte fristgerecht zum 28. Februar 2005 alle ePostfächer seiner Kunden.

ePost bietet seinen Kunden an, zu Lycos zu wechseln

Offen räumen die elektronischen Bonner Briefträger ein, dass "innerhalb der Leistungspalette der Deutschen Post sich der Bereich der privaten Webmail-Kommunikation leider nicht als Geschäftsmodell mit genügend Synergieeffekten erwiesen" hat.

Alle ePost-Accounts und alle bei ePost gespeicherte Daten werden nach Ablauf dieser Frist unwiederbringlich gelöscht werden. Die Nutzung des ePost-Accounts ist nach dem 28. Februar 2005 nicht mehr möglich. ePost empfiehlt den Umzug zu Lycos, die bereits im kostenlosen Lycos Free Account Spam- und Virenfilter und andere Extras zur Verfügung stellen. Exklusiv für ePost Kunden bietet Lycos auch im Free Account den Zugang über POP3 an. Zusätzliche Leistungen sind bei Lycos Extra für 2,90 Euro pro Monat erhältlich, das Update kann einen Monat lang kostenlos getestet werden.

Lycos verspricht bis Ende 2005 die Weiterleitung aller ePost E-Mails in den neuen Lycos Account, dazu muss nach der Anmeldung zu Lycos Mail die neue Lycos-Adresse in den ePost Einstellungen angegeben werden. Angelegte Post-Kontakte werden dann ebenfalls zu Lycos übernommen.

Die Angebote der Partner eFiliale und Pixum Fotoalben sind durch diese Umstellung nicht betroffen, schreiben Geschäftsführer Ralph Klin und Dr. Klaus Schlüter, Leiter Geschäftsfeld ePost Portal bei der Deutsche Post Com GmbH ihren Kunden.

Schade eigentlich. Die elektronische Adresse bei der Post war eine gute Idee, die leider etwas lustlos umgesetzt wurde. Bevor die Kunden für einen solchen Dienst Geld ausgeben, muss er besser als seine Mitbewerber sein, wozu auch ein schneller und kompetenter Service gehört.