IC runter

Editorial: Endlich Bewegung bei den IC-Kosten

Wegweisende Entscheidung in Frankreich
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Seit Jahren sind die Preise für Telefonate vom Festnetz zum Mobilfunk in etwa unverändert. Vom Handy zum Handy im anderen Netz ist es in der letzten Zeit sogar tendenziell teurer geworden. Ursache des Problems sind hohe Interconnect- bzw. Terminierungs-Entgelte, die der Netzbetreiber des Anrufers (egal, ob Fest- oder Mobilnetz) an den Netzbetreiber des Angerufenen zahlen muss. Wie sich dieses negativ auf den Markt auswirkt, war bereits Gegenstand mehrerer Editorials, unter anderem vor zwei Jahren und Anfang diesen Jahres.

Leider ist die Regulierungsbehörde (RegTP) bezüglich des Problems der mobilen IC-Entgelte weitgehend untätig. Dabei schreit das Missverhältnis zwischen den Entgelten für mobile Gespräche zum Festnetz (die gibt es bei Nutzung diverser Tarifoptionen bereits ab Centbruchteilen pro Minute) und Festnetz zu Mobilfunk (derzeit ab ca. 16 Cent pro Minute) zum Einschreiten.

Erst durch steigenden öffentlichen Druck, etwa durch Stadtnetzbetreiber und die EU-Kommission, gab es Ende Juni diesen Jahres das Zugeständnis der Mobilfunknetzbetreiber, die Entgelte um 30 Prozent zu senken. Doch ist die Senkung auf zwei Schritte zu je 15 Prozent verteilt, so dass sie erst Ende 2005 voll wirksam wird. Die IC-Entgelte bleiben auch zu diesem Zeitpunkt bei zweistelligen Cent-Beträgen hängen.

Wegweisend ist insofern eine diese Woche erfolgte Entscheidung des Pariser Wettbewerbsrats, derzufolge die IC-Entgelte in Frankreich binnen drei Jahren um 50 Prozent sinken werden. Auslöser der Entscheidung war die Initiative einer Verbraucherschutzorganisation.

Doch auch Frankreich ist zu drastischen Schritten nicht bereit. Den Angaben zufolge liegen die realen Kosten für die Terminierung bei 6 Cent. Faktisch wurde nun eine Absenkung auf 7,5 Cent beschlossen, und das mit der bereits genannten Zeitverzögerung über drei Jahre. Da alle Betreiber ihre Netzbetriebskosten optimieren, wird damit auch nach Inkrafttreten der vollen Absenkung die Schere zwischen tatsächlichen Kosten und berechneten IC-Entgelten erheblich sein. Damit werden die Mobilfunkunternehmen an diesem "Wegezoll" auch weiterhin gut verdienen. Man hätte also auch in Paris durchaus noch etwas forscher vorgehen können.

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