Vorgaben

Paris: Kartellbehörde macht Weg für günstigere Handy-Tarife frei

Mobilfunkbetreiber müssen Strafen wegen Dumpings zahlen
Von AFP / Marie-Anne Winter

Anrufe von Festnetzanschlüssen auf Mobiltelefone in Frankreich werden billiger: Auf Drängen von Verbraucherschützern machte der Pariser Wettbewerbsrat in einer gestern Abend bekannt gegebenen Entscheidung den Weg für sinkende Tarife frei. Die französische Telekom-Regulierungsbehörde ART will den Mobilfunkanbietern Orange, SFR und Bouygues Télécom nun bald entsprechende Preisvorgaben machen. Sie plant innerhalb von drei Jahren eine Senkung der so genannten Interconnection-Tarife um 50 Prozent.

Die Verbraucherorganisation UFC-Que Choisir hatte die Behörden in dem Fall angerufen; sie hatte dabei gedroht, notfalls bis zur EU-Kommission zu ziehen. Nach Berechnungen von UFC-Que Choisir kostet eine Verbindung zwischen Fest- und Mobilnetz die Handy-Betreiber in Frankreich sechs Cent je Minute. Den Verbrauchern werden demnach durchschnittlich aber 15 Cent berechnet. Jährlich erwirtschafteten die Handy-Firmen - vor allem die France-Télécom-Tochter Orange mit einem Marktanteil von 48 Prozent - damit rund 900 Millionen Euro Gewinn. Nach den EU-Telekomrichtlinien dürften sie aber diesem Gebiet keine Profite machen, betonen die Verbraucherschützer. Auch der Pariser Industrieminister Patrick Devedjian hatte zuletzt eine "sehr bedeutende" Preissenkung innerhalb eines Jahres gefordert.

Verbraucher leiden unter mangelndem Wettbewerb

Nach Einschätzung des Pariser Wettbewerbsrates ziehen alle beteiligten Unternehmen Profit aus der bisherigen Situation, da es keinen Wettbewerbsdruck gebe. Den Schaden habe der Verbraucher, notierte Frankreichs oberste Kartellbehörde. In einer weiteren Entscheidung legte der Wettbewerbsrat France Télécom und SFR Millionen-Strafen auf, weil sie zwischen 1999 und 2001 ihren Markt durch Dumpingpreise gegen Konkurrenten abgeschottet gehindert hatten. Auch dabei ging es um Gespräche zwischen Fest- und Mobilfunknetzen; diese wurden Großkunden damals unter dem Einstandspreis angeboten. France Télécom soll deswegen 18 Millionen Euro Strafe zahlen, SFR zwei Millionen Euro. Beide können dagegen vor Gericht ziehen.

Auch in Deutschland sollen die Preise für Gespräche vom Handy zum Festnetz sinken. Ende Juni hieß es, dass sich die Deutsche Telekom nach langen Verhandlungen mit den vier Mobilfunknetzbetreibern auf neue Gebühren geeinigt habe. Die Durchleitungsentgelte von Festnetzgesprächen in die Handynetze sollen demnach bis Ende 2005 in zwei Stufen um jeweils rund 15 Prozent oder insgesamt etwa vier Cent sinken.