Ankündigung

Tele2 steht kurz vor dem Mobilfunkeinstieg

Verhandlungen mit einem deutschen Netzbetreiber weit fortgeschritten
Von Björn Brodersen

Der schwedische Telekommunikationsanbieter Tele2 steht erneut vor dem Einstieg in das deutsche Mobilfunkfunkgeschäft. Nach eigenen Angaben verhandelt das Unternehmen zurzeit mit hiesigen Mobilfunkbetreibern über eine Zusammenarbeit. Bracheninsider vermuten, dass Tele2 mit E-Plus verhandelt und dass die Gespräche sehr weit fortgeschritten sind. Tele2 plant den Betrieb eines virtuellen Mobilfunknetzes zum Jahresende, sagte der Vorstandvorsitzende Lars-Johan Jarnheimer gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Als Mobile Virtual Network Operator (MVNO) würde Tele2 eigene Mobilfunkverträge anbieten und als Untermieter das Netz eines Kooperationsbetreibers nutzen. Die nötigen Minuten würde sich das Unternehmen für die Kunden bei dem jeweiligen Netzbetreibern einkaufen. Service-Prvider wie etwa Talkline oder mobilcom dagegen vermarkten die Bündelprodukte und Tarife der Netzbetreiber unter eigenem Namen. Für E-Plus wäre eine solche Kooperation eine neue Einnahmequelle, in die nicht viel Geld investiert werden müsste, da das Netz des Düsseldorf Mobilfunkbetreibers nicht ausgelastet ist.

Schweiz: Tele2 hat vierte Lizenz für Mobilfunknetzbetrieb erworben

Auch in der Schweiz hatte Tele2 im März dieses Jahres einen Eintritt in das Mobilfunkgeschäft angekündigt. Anders als jetzt in Deutschland will Tele2 dort aber nach Swisscom Mobile, sunrise und Orange als vierter Mobilfunk-Netzbetreiber an den Start gehen. Allerdings plant der Neueinsteiger zunächst nur im Großraum Zürich ein eigenes Netz. Die dafür erforderliche GSM-Lizenz hat das skandinavische Unternehmen im Dezember vergangenen Jahres erhalten. Für eine landesweite Versorgung der Schweiz erhofft sich das Unternehmen eine Kooperation mit einem der drei etablierten Netzbetreiber. Der Marktstart soll voraussichtlich im Frühjahr 2005 erfolgen. Hierzulande hatte Tele2 schon Anfang 2002 versucht, ein virtuelles Mobilfunknetz aufzubauen, damals war mit Viag Interkom bzw. o2 verhandelt worden. Nach offizieller Auskunft scheiterte das Vorhaben aus technischen und regulatorischen Gründen. Gerüchten zufolge gab es aber einen anderen Grund: Demnach hätten Tele2-Kunden außerhalb des o2-Netzes - im Gegensatz zu o2-Kunden - nicht das D1-Netz von T-Mobile mitnutzen können. Ohne D1-Mitnutzung hätten die Tele2-Handykunden die schlechteste Flächendeckung aller deutschen Mobilfunkangebote gehabt.

Tele2 sieht sich auch auf dem deutschen DSL-Markt um

Gleichzeitig mit dem angekündigten Start von Mobilfunkdiensten hat Tele2 auch den deutschen DSL-Markt ins Visier genommen. Gegenüber der FAZ bestätigte Jarnheimer, dass sich der schwedische Konzern nach Akquisitionsmöglichkeiten umsieht. "Wir sind zum Jahresende nahezu schuldenfrei und könnten bis zu 1,5 Milliarden Euro investieren", sagte Jarnheimer. Noch seien aber keine Verhandlungen mit einem anderen Anbieter aufgenommen worden.

Tele2 ist vor fünf Jahren auf den deutschen Festnetzmarkt getreten und bietet Call-by-Call-, Pre-Selection- und Internet-by-Call-Dienste an. Tele2 hat hierzulande inzwischen mehr als eine Million Kunden. Insgesamt nutzen 25 Millionen Kunden in 24 europäischen Ländern die Dienste des schwedischen Telekommunikationsanbieters. In sechs europäischen Ländern ist Tele2 als MVNO aktiv und betreibt in sieben weiteren Staaten eigene Mobilfunknetze Für die kommenden Jahre rechnet Jarnheimer mit steigenden Umsätzen von bis zu 17 Prozent.