umstritten

Editorial: Extrawurst für City-Carrier

Durchleitungsentgelte und Dauerstreit
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Der Streit um die Höhe der Entgelte für Vorleistungen lässt sich leicht mit zwei Sätzen zusammenfassen: Wer eine Leistung benötigt, die Entgelte also zahlen muss, findet diese immer zu teuer. Der Erbringer der Leistung findet diese hingegen immer zu billig. Und so war es wenig verwunderlich, dass BREKO und Deutsche Telekom gleichzeitig über die jüngste Entscheidung der Regulierungsbehörde protestierten. Hat also die Regulierungsbehörde alles richtig gemacht? Wahrscheinlich nicht.

Was ist passiert? Nun, die Regulierungsbehörde hat abermals einen Versuch unternommen, den City-Carriern höhere Entgelte zu gewähren, nachdem sie letztes Jahr mit einem entsprechenden Beschluss am Verwaltungsgericht Köln gescheitert war. Zur Erläuterung: Wenn beispielsweise ein Münchner Telekom-Kunde einen Anschluss bei M"net anruft, muss die Telekom für diesen Anruf so genannte Interconnect (IC) - Entgelte an M"net bezahlen, da das Gespräch ja zumindest teilweise über das Leitungsnetz von M"net läuft. Umgekehrt zahlt M"net an die Telekom, wenn ein M"net-Kunde einen Telekom-Kunden anruft. Bisher waren diese IC-Entgelte der Höhe nach gleich, jedoch darf M"net ab sofort einen Zuschlag von 0,17 Cent pro Minute kassieren.

Beantragt worden war ein Zuschlag von 3,4 Cent pro Minute. Sicherlich war dieser Betrag von den Alternativ-Anbietern besonders hoch gegriffen, damit auch nach dem Zurechtstutzen durch die Regulierungsbehörde noch ein ansehnlicher Wert übrig bleibt. Vermutlich hat man mit einer "Extrawurst" in einem Bereich von einem halben bis einem ganzen Cent pro Gesprächsminute gerechnet. Stattdessen gab es aber nur ein kleines Leckerli von einem Sechstel Cent. Entsprechend enttäuscht fiel die Stellungnahme des BREKO aus.

Offene Fragen

Fraglich bleibt jedoch, warum die City-Carrier überhaupt den Zuschlag gefordert haben. Denn es besteht immer die Gefahr, dass die anderen Telekommunikationsanbieter bei Anrufen zu City-Carriern den Zuschlag an den Endverbraucher weitergeben. Die Folge wäre sozialer Druck auf die Nutzer der alternativen Anschlüsse nach dem Motto: "Du, besorg Dir mal endlich wieder einen 'richtigen' Telefonanschluss, damit man Dich zu normalen Kosten anrufen kann". Kurzfristig hat der Alternativ-Anbieter mit dem zusätzlichen Entgelt sicherlich mehr Geld in der Kasse, langfristig hat er aber weniger Kunden.

Fraglich auch, warum die Regulierungsbehörde den Zuschlag genehmigt hat. Schon heute betreiben die City-Carrier bestimmte Geschäftsmodelle, insbesondere offene Einwahlnummern, die zeigen, dass die reinen Switching-Kosten bereits unter den IC-Entgelten liegen. Zuschläge zu den IC-Entgelten öffnen auch weniger nützlichen Arbitrage-Geschäften und Rückvergütungen Tür und Tor. Die Regulierungsbehörde hofft wohl, dass der festgesetzte Zuschlag so gering ist, dass sich entsprechende Geschäfte nicht lohnen.

Auf der Seite der Deutschen Telekom kam die erwartete Reaktion: Diese findet die RegTP-Entscheidung "nicht nachvollziehbar". Unverständlich wirkt jedoch die Drohung der T-Com, die Entgelte für die Kunden um 0,2 Cent pro Minute zu erhöhen. Schon derzeit betragen die Entgelte bis zu 12 Cent pro Minute für innerdeutsche Ferngespräche. Da bringen 0,2 Cent zusätzliche IC-Entgelte die Kalkulation der Telekom garantiert nicht durcheinander. Die Kosten für die Erweiterung der Abrechnungssysteme, damit der Zuschlag nur bei Anrufen zu City-Carriern berechnet wird, könnten hingegen auch für die T-Com erheblich sein, und die zusätzlichen Einnahmen aus der Umlage ganz oder teilweise auffressen.

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