NFC

Das Handy als universelles Zahlungsmittel

Neuer Kurzstreckenfunk ermöglicht zahlreiche neue Anwendungen
Von Marie-Anne Winter

Der Hauptunterschied zur RFID ist, dass NFC-Geräte sowohl im aktiven als auch im passiven Modus arbeiten können. Sie können Identifikationsdaten sogar dann senden, wenn das Träger-Gerät ausgeschaltet ist - ideal für Smartcard-Anwendungen. Bei RFID-Netzwerken hingegen werden günstige passive Chips von recht teuren stromversorgten Lesegeräten abgefragt. Neben den niedrigen Kosten ist der Hauptvorteil von NFC allerdings die Geschwindigkeit, mit der Kommunikationsvorgänge eingeleitet werden können. Die Konfiguration sei sehr einfach. Im Gegensatz zu NFC benötige der Nahbereichsfunk Bluetooth eine relativ komplizierte Setup-Routine zwischen den Geräten.

"Um Bluetooth mit verschiedenen Geräten zu nutzen, muss man viel konfigurieren. NFC wird bereits als eine Art universeller virtueller Verbinder vermarktet, der zur Konfiguration anderer drahtloser Technologien wie WLAN oder Bluetooth genutzt werden könnte. Geräte könnten sich per NFC miteinander Bekannt machen, sie auf ein schnelleres Funksystem mit größerer Reichweite umschalten.

Wenn ein Controller-Chip mit Verschlüsselungstechnik integriert wird, können sich NFC-Chips Smartcards verhalten. Visa, der dritte wichtige Partner neben Sony und Philips im NFC-Forum, soll bereits größere Mengen kontaktloser Smartcards vor allem im asiatischen Raum verkauft haben. Dort werden sie vor allem zum Bezahlen im Nahverkehr eingesetzt. NFC ist mit der hier eingesetzten RFID-Technologie kompatibel.

Schnelle Abfertigung dank NFC

Anwendungsfelder für NFC-Smartcards werden vor allem dort sein, wo eine schnelle Abfertigung erforderlich ist, etwa bei Einlasskontrollen, beim Einkaufen oder in der Videothek. Hier werde es Kunden besonders schätzen, wenn sie einfach ihr Handy an ein Lesegerät halten können, anstatt erst eine Karte aus der Brieftasche zu fummeln, sie durch ein Lesegerät zu ziehen und sie dann wieder zu verstauen.

Ein weiterer Anwendungsbereich wird nach der Vorstellung der Konzerne auch die interaktive Werbung sein. So sollen potentielle Kunden auf einem Flughafen oder in einer U-Bahn-Station künftig durch Reklameschilder angesprochen werden, in denen ein NFC-Chip sitzt. Spontan sollen sie Musik, Klingeltöne, Eintrittskarten und Gutscheine herunterladen können, in dem sie mit ihrem NFC-Handy das entsprechende Angebot berühren.

NFC könnte auch davon profitieren, dass der Hauptkonkurrent für derartige Anwendungsen, Bluetooth, jünst einen schweren Rückschlag erlitten hat: Ende August gab dessen erster Entwickler Ericsson bekannt, die er die Bluetooth-Abteilung auflösen werde.

Sollten sich weitere Handy-Hersteller finden, die NFC unterstützen, kann es durchaus sein, dass NFC-Handys zur universellen Smartcard werden. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich die jeweiligen Branchengrößen aus den betreffenden Bereichen - etwa Kreditkarten-Konzerne, E-Payment-Entwickler, oder Verkehrsbetriebe oder Marketing-Agenturen - gegenüber dem neuen Kurzstreckenfunk verhalten.

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