Entführung

Domain-Diebstahl: Muss ebay Schadenersatz zahlen?

ebay-Nutzer sollten vorsichtshalber Passwort ändern
Von Thorsten Neuhetzki

Was tut ein besonders dreister Internetnutzer, wenn ihm langweilig ist? Offenbar versucht er, sich Domains wie web.de, google.com oder amazon.de auf seinen Namen zu registrieren. Bei den genannten Domains gelang es ihm nicht. Anders sah das am Wochenende bei der Domain des größten deutschen Internet-Auktionshauses ebay aus. ebay.de war, wie wir bereits am Samstag berichteten, zeitweise nicht mehr im Besitz der ebay International AG und verwies auch nicht mehr auf den Server mit den unzähligen Auktionen. Wer bieten wollte oder seine auslaufenden Auktionen überprüfen wollte, kam entweder auf eine ebay-Kopie oder eine Spiele-Clan-Seite. Ist ebay nun schadensersatzpflichtig, weil auslaufende Auktionen wegen fehlender Bieter mit zu geringem Gebot ausliefen?

Rückblick: Schon am 18. August hatte der Kunde bei seinem Webhoster Intergenia die Wechselanträge eingereicht. Er selbst sei Inhaber der Domains und wolle zu Intergenia umziehen, so der Kunde. Eine Blacklist sorgte für die Ablehnung einiger Domains, bei anderen wurde der Umzug vom eigentlichen Webhoster abgelehnt. Im Fall von ebay.de gab es vom Provider keine Antwort. Die Regelung für .de-Domains sieht vor, dass eine automatische Zustimmung erfolgt, wenn nach zweimaliger Nachfrage keine Antwort erfolgt. Das führte dazu, dass Intergenia am Freitagnachmittag die Zustimmung zur Domainübernahme erhielt und den falschen Server im Internet bekannt gab. Am Samstagmorgen bemerkte der Kölner Webhoster, dass der betreffende Server unter Überlastproblemen litt, und die Techniker sowie die DeNIC als Domain-Verwalter wurden aktiv.

Landeskriminalamt ermittelt gegen einen Niedersachsen

Inzwischen war der falsche Server jedoch schon in vielen Nameservern eingetragen, so dass viele Provider die Anfragen für ebay.de fälschlicherweise nach Köln schickten. Erst nach und nach normalisierte sich die Lage, einige Internetprovider brauchten jedoch ungewöhnlich lange, um die korrekten Daten wieder einzupflegen.

Der Inhaber der neuen Domain soll nach dpa-Informationen ein Mann aus Niedersachsen gewesen sein. Seine Familie beteuert aber seine Unschuld und will nach Angaben der Berliner Zeitung erst durch Journalisten von der Sache erfahren haben. Inzwischen habe das Landeskriminalamt die Ermittlungen an sich gezogen, hieß es.

Ausfall von ebay.de sorgte für viele Schnäppchen und Verkäufer-Ärger

Kunden, die in der fraglichen Zeit ebay.de aufgerufen haben, sollten nun ihre Kennwörter ändern. Der Grund dafür: Per Cookie hätten Daten an den falschen Webserver übergeben werden können. Mit diesen Daten hat nun der Domain-Hijacker die Möglicheit, sich bei ebay unter falschen Namen einzuloggen. Die spannenste Frage für die Nutzer von ebay, die in der Zeit ein Schnäppchen gemacht oder eine auslaufende Auktion hatten, ist jedoch, ob sie das Schnäppchen bekommen bzw. wer für den entstandenen Schaden aufkommt.

Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen appelliert sowohl an ebay als auch an die User, die Schnäppchen erstanden haben, zur Fairness. "Es wäre nur fair seitens der Käufer, nicht auf die günstigen Einkäufe zu bestehen", sagt der Rechtreferendar. An ebay appelliert er, den betroffenen Verkäufern das kostenlose nochmalige Einstellen zu ermöglichen.

Will ebay den effektiven Ausfall unter den Tisch kehren?

ebay muss sich unterdessen auch gefallen lassen, nicht nur schlechte Medienarbeit, sondern auch schlechte Informationspolitik gegenüber den Nutzern betrieben zu haben. So erhielten die Kunden an keiner Stelle der Homepage eine Information über die Domainentführung. Lediglich im Pressebereich gab es eine kurze Erklärung. Auch vor der bestehenden Gefahr des Passwortdiebstahles wurde nicht gewarnt. Möglich, dass ebay darauf setzt, dass möglichst wenig betroffene Verkäufer von dem Ausfall der Domain erfahren und somit keine Probleme bereiten. Schließlich heißt es in der einzigen Medienerklärung auch, dass das ebay-System zu keiner Zeit ausgefallen sei und auch über die .com-Domain erreichbar gewesen sei. Somit können Verkäufer nicht darauf bauen, dass sie eine automatische Erstattung von ebay bekommen.