Mehrwertdienste

teltarif-Special: Premium-SMS wird immer öfter zur Kostenfalle

Verbraucherzentrale: Fehlendes Kostenbewusstsein bei Handybesitzern
Von Björn Brodersen

Wer gerne die Jugendmusiksender Viva oder MTV sieht, bekommt sie im Viertelstundentakt serviert: Angebote für Premium-Dienste wie Klingeltöne, Handylogos, Handy-Games, Neuigkeiten vom Musikidol oder Flirtkontakte. So präsentieren etwa Diensteanbieter wie Jamba oder bruNET [Link entfernt] in den häufigen Werbepausen mit musikalischer Untermalung die aktuellen Klingelton-Charts, die mit einer SMS an eine in großen Ziffern dargestellte Kurzwahlnummer bestellt werden können. "Drei polyphone Klingeltöne für nur 2,99 Euro", heißt es da zum Beispiel reißerisch, als ob es sich um Angebot handelt, bei dem die Kids einfach zuschlagen müssten. Was der Werbespot nur im Kleingedruckten verrät: Wer sich die neuesten Klingeltöne für sein Handy bestellt, schließt gleichzeitig ein Abonnement über weitere Bestellungen ab, das nur durch eine weitere Kurzmitteilung mit einem speziellen Kennwort an die Kurzwahlnummer beendet werden kann.

Besonders Jugendliche werden von den Premium-SMS-Anbietern als Zielgruppe angesprochen. Ein Großteil der Werbung in Zeitschriften wie etwa der Bravo oder eben im Programm von TV-Musiksendern besteht aus Mehrwertdiensten rund um das Handy. Klingeltöne aus den aktuellen Hits, Logos und Java-Games scheinen der Renner unter den Jüngeren zu sein, die oft leichtfertig zuschlagen und erst später mit der Mobilfunkrechnung die Folgen spüren. "Rechnungen von mehreren hundert Euro sind keine Seltenheit, wenn Handynutzer auf die in TV und Internet beworbenen Flirt-Chats, Chat-Communities oder Erotik-Dienste hereinfallen", weiß die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt zu berichten. Premium-SMS entwickelten sich zunehmend zur Kostenfalle.

Freiwillige Selbstbeschränkung der Diensteanbieter bald zu Ende?

Foto: dpa Bislang zügelte sich die Branche noch selbst: Zwar kann ein Anbieter immer noch die Preise für Premium-SMS nach eigenen Vorstellungen festlegen, doch aufgrund einer freiwilligen Selbstbeschränkung bewegen sich die meisten Preise in einem Rahmen von 29 Cent bis drei Euro. Damit wird es wahrscheinlich schon bald ein Ende haben, denn im Frühjahr dieses Jahres haben einige Unternehmen bereits die Aufhebung dieser Selbstbeschränkung angekündigt. Dadurch können die Preise für Premium-SMS in die Höhe schießen. Schon jetzt ist die Abo-Variante bei den Mehrwertdienst-Angeboten eher die Regel als die Ausnahme. Für einzelne Klingeltöne müssen die Jugendlichen inzwischen bis zu fünf Euro bezahlen.

Erhöhte Preise für Kurznachrichten sind bei der Mehrwert-Variante gewollt und sie sind recht und billig, schließlich soll damit ein gewisser Mehrwert bezahlt werden. Premium-SMS wurden als praktisches Zahlungsmittel für Mehrwertdienste, die kleinere Geldbeträge kosten, eingeführt. Der Kunde bezahlt damit einen bezogenen Dienst über die Handyrechnung. Die Vorteile eines solchen Verfahrens: Die Anbieter müssen außer der Rechnungsstellung keinen weiteren Aufwand betreiben, der Kunde muss keine Kreditkartennummer oder Kontodaten preisgeben. Die Kosten für den Kunden sind bei seriösen Unternehmen, die im Vorfeld über die anfallenden Preise informieren, überschaubar und transparent. Außerdem ist das Bezahlsystem in vielen Bereichen und jederzeit einsetzbar. Die Kurzwahl-Nummern für Premium-SMS reichen von 11111 bis 99999, in den häufigsten Fällen beginnen sie aber mit einer 7 oder einer 8.

Gesetzlich sind die Premium-Dienste-Anbieter zwar dazu verpflichtet, den Kunden über die anfallenden Kosten zu informieren, bevor dieser den Dienst in Anspruch nimmt. Wie das aber zu geschehen hat, ist (leider) nicht genauer beschrieben. An der SMS-Servicenummer selbst kann der Kunde nicht erkennen, was für Unkosten auf ihn warten. Da die fünfstelligen Servicenummern nicht unter das Mehrwertdienste-Gesetz fallen, gilt hier auch nicht die darin enthaltene Tarifobergrenze. Der Preis für 0190- und 0900-Dienste darf bei Zeitabrechnung maximal zwei Euro pro Minute betragen. Bei Blocktarifen dürfen höchstens 30 Euro pro Einwahl verlangt werden. Deshalb sollte bei seriösen Premium-SMS-Angeboten zumindest in der Werbung der Preis für die Nutzung genannt werden.

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