Interconnection

Handelsblatt: Festnetz zu Mobil wird günstiger (aktualisiert)

Durchbruch bei Preisverhandlungen zwischen Telekom und Mobilfunkern
Von Thorsten Neuhetzki / AFP
Kommentare (123)
AAA
Teilen

Anrufe vom Festnetz zum Handy sollen billiger werden. Die Deutsche Telekom habe sich nach langen Verhandlungen mit den vier Mobilfunknetzbetreibern auf neue Gebühren geeinigt, berichteten das Handelsblatt und die Frankfurter Allgemeine Zeitung übereinstimmend. Die Durchleitungsentgelte von Festnetzgesprächen in die Handynetze sollen demnach bis Ende 2005 in zwei Stufen um jeweils rund 15 Prozent oder insgesamt etwa vier Cent sinken. Der Bonner Konzern wolle diesen Preisvorteil vollständig an seine Kunden weitergeben und die Tarife für Anrufe ins Mobilfunknetz senken, berichteten die Zeitungen unter Berufung auf Branchenkreise.

Der Streit um die so genannten Terminierungsentgelte schwelt seit mehr als zwei Jahren. Die Festnetzanbieter kritisierten, dass diese Gebühren der deutschen Mobilfunker im europäischen Vergleich zu hoch ausfallen und die Firmen dabei eine Monopolsituation zum Schaden von Wettbewerb und Verbrauchern ausnutzen.

Auch nach der für Dezember geplanten ersten Preissenkung bleiben den Berichten zufolge allerdings unterschiedliche Preise bei den Netzbetreibern bestehen. So bleiben Telefonate aus dem Telekom-Festnetz in die Netze von T-Mobile und Vodafone weiterhin preiswerter als Gespräche aus dem Telekom-Festnetz zu Anschlüssen von E-Plus und o2.

Mobilfunkbetreibern entstehen durch die Absenkung der Entgelte deutliche Verluste beim Umsatz. Von den 21 Milliarden Jahresumsatz der vier Netzbetreiber in Deutschland entfallen laut FAZ je nach Unternehmen zwischen 15 und 25 Prozent.

01051: Neue Preise immer noch zu hoch

Thomas Rühmer, Mitglied der Geschäftsleitung von 01051 Telecom, kritisiert diese aktuelle Enwicklung. 01051 war selber maßgeblich an Verhandlungen mit den vier Netzbetreibern beteiligt, konnte aber keine Einigung erzielen. Nach Ansicht von Rühmer liegen "die vereinbarten Preise immer noch weit über dem, was mit Blick auf die tatsächlichen Kosten geboten wäre". Zudem hat er kartellrechtliche Bedenken. "Gemeinsam mit der Deutschen Telekom wollen die Mobilfunknetzbetreiber die Regulierung aushebeln und die überteuerten Durchleitungsentgelte der behördlichen Überprüfung entziehen - und das, nachdem sie jahrelang gemauert und sich bei der Entgelthöhe keinen Schritt bewegt haben", schreibt Rühmer in einer Presseerklärung. "Wenn sich der Regulierer jetzt zurückzieht, werden die Preise auch weiterhin zwischen den großen Netzbetreibern kartell-ähnlich abgesprochen bleiben."

Statistisches Bundesamt: Minutenpreise deutlich gesunken

Derweil meldete das Statistische Bundesamt deutlich gesunkene Minutenpreise für Orts- und Ferngespräche: Gegenüber dem Vorjahr gaben die Haushalte demnach im Schnitt 0,2 Prozent weniger für Telekommunikationsdienstleistungen aus. Ortsgespräche verbillligten sich demnach um 6,3 Prozent und Ferngespräche um 8,0 Prozent. Höher fielen dagegen die Anschluss- und Grundgebühren aus, die gegenüber Juni 2003 um 8,8 Prozent zulegten.

Für die Internetnutzung wurde im Schnitt 3,6 Prozent weniger ausgegeben als im Vorjahr. Auch gegenüber dem Vormonat Mai gingen die Ausgaben fürs Telefonieren insgesamt um 0,2 Prozent zurück, wie die Statistiker weiter mitteilten.

Teilen