Double Play

Deutschland ist ein Kabel-Niemandsland

Die Telefonie über das TV-Kabel hat ausgespielt
Von Christian Horn

Die Telefonie über das TV-Kabel spielt in den Geschäftsplänen europäischer Kabelnetzbetreiber nur noch eine nachrangige Rolle. Die Idee des "Triple Play" mit TV, Telefonie und Internet hat ausgedient und wurde vom "Double Play" mit den umsatzrelevanten Diensten TV und Internet verdrängt. Das ist das Fazit der Studie "European Broadband Cable 2004" von Goldmedia, Berlin, und Screen Digest , London.

In der Studie, die Stand und Entwicklung der Kabelnetzmärkte in 23 europäischen Ländern im Zeitfenster 1998 bis 2003 unter die Lupe genommen hat, kommt der deutsche Kabelmarkt alles andere als gut weg. "Deutschland ist leider immer noch ein Kabel-Niemandsland und wird es ohne attraktiven Content auch noch länger bleiben. Die ersten Digital-Upgrades werden gerade eingeführt, obwohl man damit bislang nur wenig Geld verdienen kann." So das Urteil von Goldmedia-Geschäftsführer Klaus Goldhammer.

Der Entwicklungsstand der untersuchten europäischen Kabelmärkte ist hochgradig inhomogen, konstatiert die Studie. Wo beispielseise in Italien schon 1996 erste digitalen Kabelnetze installiert wurden, wird die Digitalisierung in Deutschland und Spanien - die beiden größten Fernsehmärkte in Europa - erst jetzt und auch nur schleppend in Angriff genommen.

Die Telefonie über das TV-Kabel ist nur in ganz wenigen Märken wie Frankreich und Großbritannien überhaupt relevant - in Deutschland ist sie nahezu unbekannt.

Allgemein akzeptiert hingegen scheint der Breitbandzugang zum Internet über das TV-Kabel. Doch auch bei diesem Dienst, so bemängelt die Studie, verläuft die Verbreitung nicht schnell genug, um substanzielles neues Wachstum zu generieren. Die Zahlen für Deutschland illustrieren dies in aller Deutlichkeit: 4,6 Millionen DSL-Anschlüssen stehen knapp 70 000 Breitband-Anschlüsse über TV-Kabel gegenüber.