schwer verdaulich

Special: 10-Cent-Tarif zu teuer für Wettbewerb und Kunde!

Zwangs-Pre-Selection ist eine Kröte für den Wettbewerb

Gerade an der Zwangs-Pre-Selection auf den Ex-Monopolisten Deutsche Telekom entzündet sich der Zorn der Wettbewerber bzw. deren Verband VATM (teltarif berichtete am Freitag).

Zudem verstößt der Tarifantrag in der Fassung vom 31. März gegen geltendes EU-Recht. Demnach müssen marktbeherrschende Anbieter sowohl Pre-Selection als auch Call by Call zulassen und den Marktzugang für die Wettbewerber ermöglichen. Wird der Antrag wie von der T-Com eingereicht von der RegTP genehmigt, sind entsprechende Klagen und Anträge der Wettbewerber bzw. eine entsprechende Untersuchung mit Strafandrohung seitens der EU-Behörden zu erwarten.

Letztendlich ist das derzeit zu beobachtende Schauspiel ein fortwährendes Spielchen: Schon häufiger hat die Deutsche Telekom in ihren Anträgen versucht, die Wettbewerber auszugrenzen. So hatte sie dies bereits bei den Anträgen zu T-Net 100 und T-ISDN xxl versucht, ist aber letztendlich auf Betreiben der Wettbewerber von der RegTP doch zur Reduzierung der Auflagen verpflichtet worden. Und schon im Jahre 2001 konnte Tele2 nachweisen, dass der vertragliche Ausschluss der Pre-Selection durch die Telekom die Wettbewerbsmöglichkeiten anderer Anbieter von Fernverbindungsleistungen erheblich beeinträchtigt.

Gemein: Subtile Wettbewerbsbehinderungen des Ex-Monopolisten

Neben den obigen offenkundigen Wettbewerbsbehinderungen scheint der Ex-Monopolist aber noch mit viel härteren Bandagen zu arbeiten und seine Marktanteile zu verteidigen. teltarif.de hat beispielweise Kenntnis von mindestens einem konkretem Fall, in dem eine Kundin ohne Rückfrage eine Sperre aller 010xy-Verbindungen auferlegt bekam. Eigentlich wollte sie im T-Punkt nur von einem teureren T-Net-100-Anschluss auf einen T-Net-Standardanschluss wechseln. Weitere Fälle sind der Redaktion bekannt, bei denen Kunden plötzlich nicht mehr über 010-Nummern telefonieren konnten. Der Grund dafür war immer, dass der Anschluss plötzlich und ohne Auftrag des Kunden mit einer 010-Sperre versehen war.

In die gleiche Richtung geht eine einstweilige Verfügung, die wiederum Tele2 gegen die Deutsche Telekom im April erwirkt hatte: Unter Androhung eines Ordnungsgeldes von 250 000 Euro ist es der Deutschen Telekom seitdem verboten, in Kundengesprächen zu behaupten, dass nach Schaltung des Tarifes AktivPlus xxl weder Call by Call noch Pre-Selection möglich sind.

"Bundleitis" bedenklich

Wie auf Seite 2 abgeleitet könnte es für bestimmte Verbrauchergruppen lohnenswert sein, die 10-Cent-Option zu wählen und anschließend ausschließlich lange Telefonate über die Deutsche Telekom zu führen, während man Kurzgespräche über einen Call-by-Call-Anbieter führt. Dieses Verbraucherverhalten ist aber ein weiterer struktureller Nachteil des beantragten Optionstarifes für die Telekom-Konkurrenz, die wegen fester Kosten pro Rechnungszeile bei vielen kurzen Telefonaten weit weniger verdient als bei langen.

Wie bereits am Freitag vom VATM bemerkt, ist die zunehmende "Bundleitis" der Deutschen Telekom kritisch zu sehen. Was einmal mit xxl anfing, ist mittlerweile zu einem ganzen Garten von Optionstarifen geworden: xxl, xxl Weekend, AktivPlus, AktivPlus Basis, Calltime 120, 10-Cent-Tarif und weitere. Branchenexperten wie Henning Gajek vermuten hier, wie auch schon von Vertretern der Deutschen Telekom angekündigt, weitere Produkte, die immer mehr in Richtung einer Telefonie-Flatrate gehen und naturgemäß die Verbraucher dazu bringen sollen, nur noch mit dem Ex-Monopolisten zu telefonieren. Aus Sicht eines Vieltelefonierers ist eine solche Flatrate aus Kostengründen vielleicht noch zu begrüßen - aus Sicht von Millionen von Kunden, die per Telefon vor allem kostengünstig erreichbar sein wollen und aus Sicht der Regulierungsbehörde, deren Hauptaufgabe es nach [Link auf http://www.regtp.de/behoerde/start/fs_01.html entfernt, da nicht mehr erreichbar] eigenen Angaben ist, die "Marktmachtstellung des dominanten Anbieters zu kontrollieren und den neuen Wettbewerbern zur notwendigen Chancengleichheit zu verhelfen", ist diese Entwicklung sicherlich zumindest bedenklich!

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