schwer verdaulich

Special: 10-Cent-Tarif zu teuer für Wettbewerb und Kunde!

Zwangs-Pre-Selection ist eine Kröte für den Wettbewerb

Es bleibt abzuwarten, für welche Kundengruppen sich der geplante 10-Cent-Tarif überhaupt rechnet. Zugegeben - "10 Cent pro Stunde" klingt erstmal billig. Beim genaueren Hinsehen entpuppt sich der Tarif aber eher als teure Alternative:

  • Erstens kostet der Tarif 4,22 Euro zusätzliche Grundgebühr, die egal, wie häufig man die Vorteile genießen kann, jeweils pro Monat fällig wird. Auch wenn man in einen Monat längere Zeit nicht telefonieren kann, weil man zum Beispiel im Urlaub ist, werden die 4,22 Euro fällig.
  • Zweitens kostet jedes Gespräch, egal wie lange es dauert, 10 Cent pro Stunde. Im Vergleich zu Call by Call lohnt sich das neue Produkt nur dann, wenn man in der Regel lange Telefonate führt. Bei durchschnittlichen Gesprächslängen von zwei bis vier Minuten, kann der Tarif schnell zur Kostenfalle werden.
Vergleichen wir nun den 10-Cent-Tarif im Ideal des T-Com-Marketings, das heißt ohne Nutzung von Call by Call oder Pre-Selection, mit dem blanken Call by Call, so sind folgende Überlegungen wichtig. Zur Kalkulation setzen wir einen durchschnittlichen Minutenpreis von 1,6 Cent für ein Festnetzgespräch im Call-by-Call-Verfahren an. Zur Hauptzeit entspricht dies derzeit den billigsten Angeboten für Ferngespräche, Ortsgespräche sind hingegen immer bzw. Ferngespräche zur Nebenzeit auch deutlich billiger zu haben.

Die Grundgebühr des 10-Cent-Tarifes entspricht so 264 Gesprächsminuten oder knapp viereinhalb Stunden. Der lange Abrechnungstakt von einer Stunde führt bei kurzen Telefonaten von unter 375 Sekunden (gut sechs Minuten) zu Einbußen. Erst ab einer Mindestlänge von 375 Sekunden pro Gespräch rechnet sich der 10-Cent-Tarif also. Damit sich noch die Grundgebühr von 4,22 Euro rechnet, müssen - nach Ablauf der 375 Sekunden pro begonnenem Gespräch - noch mindestens 264 weitere Minuten telefoniert werden. Da man in Realität sicherlich im Monat auch einige kurze Gespräche von wenigen Sekunden oder Minuten führt, weil beispielsweise der Gesprächspartner nicht erreichbar ist und der Anrufbeantworter abhebt oder der Gesprächspartner schlicht keine Zeit für lange Telefonate hat, steigt dieser Wert wohl eher auf 350 bis 450 Minuten.

Ungünstige Taktungen bleiben ungünstig

Nach unseren Erkenntnissen werden im Festnetz mehr als die Hälfte aller Gespräche im Bereich von zu fünf bis acht Minuten Dauer geführt. Beim 10-Cent-Tarif liegt aber genau in diesem Bereich die Break-even-Hürde. Für den Verbraucher rechnet sich der Tarif erst bei richtig langen Gesprächen. Idealtypisch ist man wie oben abgeleitet nach einem Gespräch von knapp fünf Stunden im Haben. In Realität sind dies aber wohl eher 15 bis 20 Telefonate mit ca. 30 Minuten Länge, also eigentlich nur für echte Quasselstrippen zu schaffen.

Bezieht man nun die Situation "10-Cent-Tarif und Wettbewerb" mit in die Überlegungen ein, so verbessert sich die Situation für den intelligenten Kunden etwas: Die Taktungsverluste verschwinden aus der Berechnung, übrig bleibt die Verpflichtung, pro Monat mindestens 264 Gesprächsminuten durch lange Telefonate (über der 375 Sekundengrenze) führen zu müssen. Aber auch dies sind bereits elf halbstündige Gespräche!

1 2 3