Findungsprozess

RegTP: Anhörung zur VoIP-Rufnummernzuteilung

Traditioneller Praxis der Rufnummernvergabe droht Aufweichung
Von Björn Brodersen

Die Internet-Telefonie wagt einen neuen Anfang und diesmal scheint die Technik ausgereifter zu sein als noch beim ersten erfolglosen Versuch vor einigen Jahren. Immer mehr Telefongesellschaften bieten ihren Kunden VoIP-Produkte an. Das ruft nun auch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) auf den Plan. Dort beschäftigt sich inzwischen eine Arbeitsgruppe mit dem Thema VoIP. Im Vordergrund steht dabei zurzeit die Praxis der Rufnummernvergabe.

Traditionell ist die Rufnummer eines Telefonkunden an den jeweiligen Ortsvorwahlbereich gebunden. Doch die Praxis von VoIP-Anbietern wie beispielsweise sipgate weichen diese Zuordnung nach dem Prinzip des Nummernraums auf. Zurzeit vergibt sipgate an seine VoIP-Nutzer Rufnummern aus fünf Ortsnetzen, unabhängig davon und ohne dass die einen Nachweis liefern müssen, dass sie in dem betreffenden Ortsbereich auch leben. So kann beispielsweise ein in Hannover lebender Kunde eine Rufnummer mit der Ortsvorwahl für Hamburg oder Düsseldorf erhalten.

Anhörung der RegTP zum Thema Rufnummernvergabe

Die Rufnummernzuteilung ist im Telekommunikationsgesetz (TKG) geregelt. Traditionell ist es üblich, dass ein Telefonkunde vom Netzbetreiber eine Rufnummer aus dem Ortsvorwahlbereich seines Wohnort erhält. Wie die aktuelle Praxis der Rufnummernzuteilung von VoIP-Anbietern rechtlich zu beurteilen ist, will die RegTP jetzt klären. Dazu soll in Kürze eine Anhörung - wie üblich schriftlich im Amtsblatt - stattfinden.

Dann können auch VoIP-Anbieter wie der sipgate-Betreiber Indigo Networks dazu eine Stellungnahme vor der Behörde abgeben. Für die Internet-Telefonie-Anbieter ist die Rufnummernzuteilung ein wichtiges Thema, schließlich sind die Nummern Grundlage für die Verbreitung ihres Produkts. Nach Auskunft von RegTP-Sprecher Rudolf Boll ist das Ergebnis der Anhörung völlig offen. Auf diesem Wege wolle die RegTP vielmehr die zentralen Fragen und Probleme sowie mögliche Lösungen zur IP-Telefonie herausfinden. Im schlimmsten Fall könnte dies für sipgate sogar ein Verbot der bisherigen Rufnummern-Vergabepraxis und ein Abschalten bereits zugeteilter Nummern bedeuten.

sipgate will zweigleisig fahren

Indigo Networks-Geschäftsführer Tim Mois sieht den Ergebnissen der Anhörung dennoch recht gelassen entgegen. Schließlich sei die bisherige Vergabepraxis sowieso nur eine Übergangslösung. "Wir wollen eine möglichst breite Abdeckung mit Ortsnetznummern, denn wir wissen, dass der geografische Bezug bei den Kunden stark verankert ist," sagte Mois gegenüber teltarif.de.

Auch einer anderen Planung der RegTP, nach der VoIP-Nutzer eine Nummer der Rufnummerngasse 032 erhalten, ist er nicht abgeneigt. Diese Nummer soll für Teilnehmer genutzt werden, die über das Internet oder IP-basierte Teilnehmernetze an das öffentliche Telefonnetz angebunden sind. "Parallel würden wir auch eine mit der 032 beginnende Nummer den Kunden anbieten, die es wollen," so Mois weiter. Er wünsche sich jedoch eine besser erkennbare IP-Rufnummer. Die 032 sehe zu sehr nach einer geografischen Rufnummer aus. Eine Anhörung zum Rufnummernraum 032 hat die RegTP inzwischen durchgeführt. Wie uns RegTP-Sprecher Boll bestätigte, sitzt zurzeit die VoIP-Arbeitsgruppe an der Auswertung der Ergebnisse.