Seniorenliga

Die vergessene Klientel der Handybranche

Mobilfunkfirmen haben für Senioren kaum etwas im Angebot
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Bei älteren Menschen verstaubt das Mobiltelefon oft ungenutzt im Schrank. "Sie trauen sich nicht an ihr Handy und haben Angst, etwas kaputt zu machen", sagt Joachim Dung, Sprecher der Deutschen Seniorenliga. Mobilfunk ist für ältere Menschen, deren Zahl in den nächsten Jahren massiv steigen wird, oft ein Buch mit sieben Siegeln. Die fast durchgängig auf jugendlichen Lifestyle getrimmten Mobilfunkfirmen und Handyersteller machen es der Altersgruppe auch nicht einfach : Immer kleinere Geräte, winzige Tasten, schlecht lesbare Displays und komplizierte Bedienmenüs stellen ältere Kunden oft vor unüberwindbare Hürden.

In der Branche sind Senioren eine vergessene Klientel. "Um der Wahrheit die Ehre zu geben, da gibt es bei uns nichts", sagt ein Sprecher des Handy-Herstellers Sony Ericcson unumwunden. Sehr lifestylig, sehr trendy sei die Gerätepalette "da ist kein Senioren-Handy dabei". "Unsere Geräte besitzen keine signifikant seniorengerechten Funktionen", mogelt sich auch Nokia Deutschland nicht um diesen wunden Punkt. Die alternde Gesellschaft gilt als ein vor allem deutsches, bestenfalls europäisches Problem. Und Handy-Hersteller denken eben global.

Nicht viel besser sieht es bei den Betreibern der Handynetze aus. Seniorentarife bleiben vorerst ein frommer Wunsch der Deutschen Seniorenliga. E-Plus winkt bei der Frage nach seniorengerechten Angeboten sofort ab. "Einen speziellen Rentnertarif haben wir nicht", sagt auch Roland Kuntze, Sprecher von o2 Germany. Immerhin gibt es in o2-Shops Seminare, um die wichtigs ten Handyfunktionen zu erlernen. Ähnlich entmutigend fällt die Antwort beim Marktführer T-Mobile aus: "Wir haben weder spezielle Rentnertarife noch Seniorenhandys."

Beleuchtete große Tasten, genügend Zwischenraum für gute Bedienbarkeit und eine große Anzeige für schwache Augen - hier schieben sich Netzbetreiber und Handyhersteller gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Ernsthaft versucht hat noch niemand, sich diesen Kundenbereich zu erschließen. Seniorenligasprecher Dung sieht darin auch keine leichte Aufgabe. Alle wollten zwar alt werden, niemand aber als alt gelten. "Das wird von der älteren Kundschaft nicht angenommen." Zudem seien ältere Kunden typische Wenigtelefonierer und damit für die Anbieter nicht unbedingt attraktiv.

Doch spätstens ab Ende des Jahrzehnts dürfte den Mobilfunkfirmen wegen des Geburtenknicks Anfang der 90er Jahre die jugendliche Kundschaft spürbar wegbrechen, während gleichzeitig die Marktbedeutung der Älteren zunimmt. Bereits jetzt ist fast jeder vierte Deutsche älter als 60. "Viele werden merken, dass sie sich auf diese wachsende Bevölkerungsgruppe besser einstellen müssen", sagt Dung. Beispielsweise mit Notfall-Handys, die künftig in der Lage sein könnten, einen kompletten Gesundheits-Check zu machen und einen hilflosen Senior zu orten.

Vodafone hat immerhin einen Anfang gemacht. Mit der Deutschen Seniorenliga und Volkshochschulen werden Schnupperkusrse angeboten , bei denen Rentner ihre eigenen Handys mitbringen und in vier Stunden den grun dlegenden Umgang damit lernen können. Einen Lerneffekt gibt es auch für den Netzbetreiber. "Ältere wollen vor allem eine sehr einfache Navigation und möglichst wenige Knöpfe", sagt Vodafone-Sprecherin Ute Schack. Mit den 50- bis 60-Jähri gen habe das Unternehmen zudem insgesamt gute Erfahrungen gemacht. Echte Problemfälle gebe es erst danach, sagt Schack, "so ab 70 gehts los".

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