mutig

Der Optimismus ist zurück

Eindrücke von der GSM-World in Cannes

Das "Jammertal" scheint durchschritten. Spricht man mit Ausrüstern und Netzbetreibern, so schauen diese durchweg positiv in die nähere Zukunft: Im letzten Quartal wurden so viele Handys verkauft, wie nie zuvor. UMTS steht vor der Tür. Das neue Geschäft mit WAP, MMS und GPRS läuft zwar schleppend an, aber auch dort geht es aufwärts. Die Mehrzahl der neuen Handys kommt bereits mit MMS-Client, viele auch mit Kamera.

Alle Netzbetreiber sind der Ansicht, die Probleme der letzten Jahre, die unter anderem zu den endlosen Verzögerungen bei UMTS führten, jetzt im Griff zu haben. Unisono erklären Nokia, Motorola und Siemens, schlüsselfertige Systeme für "Push to Talk" liefern zu können. Erste Netze in Asien sind mit diesem Feature sogar schon in Betrieb gegangen.

UMTS schlüpft wieder in die Rolle des Heilbringers für mehr Umsätze und Gewinn. Die teuren UMTS-Lizenzkosten sind abgeschrieben, der Netzaufbau weitgehend abgeschlossen. Jetzt hoffen die Ausrüster und Netzbetreiber, dass die nächste Generation der UMTS-Handys vom Verbraucher gut angenommen wird. Motorola ist sich sicher, im Herbst mit einem Gerät auf dem Markt zu sein, das nicht größer als herkömmliche GSM-Handys ist. Vodafone erwartet sinkende Preise und damit mehr Gesprächsminuten durch UMTS.

Überfüllter Kongress

Ausdruck des Optimismus sind auch stark gestiegene Teilnehmerzahlen. Das Kongresszentrum platzt förmlich aus allen Nähten. Und so finden Pressekonferenzen und -gespräche dort statt, wo gerade Platz ist: Im Zelt am Strand, auf einer Yacht, oder in einem Saal eines der umliegenden Hotels. Das treibt jedoch auch die Kosten, und die Frage bleibt, ob sich das für alle Teilnehmer auch rechnet.

Etwas fraglich sind auch die Sicherheitsmaßnahmen rund um den Kongress. So werden beim Betreten des Kongresszentrums alle Teilnehmer mit Metallsuchgeräten gescannt, aber nicht mit der vom Flughafen bekannten Gründlichkeit, sondern nur ziemlich oberflächlich. Ebenso werden alle Taschen kurz durchsucht, aber nicht geröngt. Ob sich so wirklich Waffen und andere problematische Gegenstände finden lassen, ist mehr als fraglich. Vor allem aber bildeten sich am ersten Kongresstag lange Schlangen vor den Eingängen, und damit perfekte Ziele für eventuelle Attentäter oder Terroristen.

Inzwischen finden die Kontrollen noch schneller statt, wodurch die Schlangen nicht mehr zu sehen sind. Ob die Kontrollen damit aber noch einen Effekt haben, darf bezweifelt werden.

Schöner Ausblick

Doch die oben genannten Punkte sind Nebensächlichkeiten. Die Industrie hat in den letzten 10 Jahren eine Milliarde Handys verkauft - und erwartet, die nächste Milliarde deutlich schneller an den Mann und an die Frau zu bringen. Parallel zum Kongress gibt es auch eine Modenschau für "tragbare Technologie". Statt Features zählt dabei die Optik. In der Tat ein schöner Ausblick für eine Branche, die mit den Features immer wieder so ihre Probleme hatte.