Zukunft

Telekom: Der Festnetzanschluss von morgen (aktualisiert)

VoIP, WLAN-Gespräche über Festnetzrufnummer und kostenfreie Festnetzgespräche
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Kai-Uwe Ricke, Vorstandschef der Deutschen Telekom, gab gestern auf dem Internationalen Pressekolloqium einen Einblick in die Planungen für die Weiterentwicklung des Festnetz-Anschlusses in der Zukunft. Dabei verfolge der deutsche Marktführer zwei strategische Stoßrichtungen: "Anschlussaufwertung durch mehr Bandbreite und die Integration von Voice-over-IP".

Megatrend: Breitband

Zum einen setzt die Telekom dabei auf den "aktuellen Megatrend Breitband" und entwickelt den bisherigen Festnetzanschluss zu einem Mulimedia-Anschluss für vielfältige Anwendungen weiter. In diesem Zusammenhang gab die Telekom erst gestern bekannt, dass sie die Bandbreiten für das eigene Breitband-Internetangebot über DSL deutlich erhöhen wird.

Mit der Einführung von WLAN zuhause soll beispielsweise ein Kommunikationsserver möglich werden, von dem Fernseher, Stereoanlage und PC gespeist werden - und bei schönen Wetter auch der Laptop im Garten. Das mühsame Verlegen von Kabeln entfällt dann.

"Festnetz-überall" dank VoIP

Zum anderen setzt die Deutsche Telekom bei ihrem Festnetzanschluss auf die Internet-Telefonie. So will T-Com, die Festnetztochter der Deutschen Telekom, die Anrufweiterleitung in die WLAN- und Internet-Welt als Zusatzleistung in den eigenen Anschluss integrieren. Dadurch können die Kunden ihren ISDN-Anschluss überall dorthin mitnehmen, wo eine Einwahlmöglichkeit in das Internet besteht. Die Telekom bestätigte bereits vor einigen Tagen, dass ihre gesamte Netztechnik in den nächsten Jahren auf die Internet-Übertragungstechnik (TCP/IP) umgestellt werden soll.

Kai-Uwe Ricke und T-Com-Vorstand Josef Brauner kündigten gestern in Berlin an, dass neue Dienst es erlauben werde, an jedem mit dem Internet verbundenen Ort unter der eigenen Festnetznummer Anrufe mittels VoIP entgegenzunehmen und Gespräche zu führen. Die Markteinführung werde voraussichtlich im zweiten Halbjahr des kommenden Jahres erfolgen. Voraussetzung für die Nutzung sei lediglich ein IP-fähiges Endgerät, beispielsweise ein multimediafähiges Notebook oder ein PDA mit WLAN-Karte und einem speziellen Software-Client.

Wir hatten Gelegenheit, diesen Dienst während der Präsentation in Berlin zu testen. Als Endgerät wurde ein WLAN-fähiger Compaq-PDA mit einem Windows-CE-Betriebsystem zur Verfügung gestellt. Die Umleitung des ISDN-Anschlusses auf das Gerät erfolgt automatisch, sobald man sich mit dem PDA im WLAN-Netz einbucht. Danach kann man Gespräche annehmen, wenn Anrufer auf der heimischen ISDN-Nummer anrufen oder selbst andere Telefonanschlüsse anwählen. Die Sprachqualität ist an sich ganz ordentlich, das störende Rauschen im Hintergrund erklärte der Telekom-Sprecher mit Interferenzstörungen durch die zahlreichen WLAN-Sender in der Konferenzhalle.

Wirklich interessant ist allerdings die Tarifierung dieser Verbindungen: Auch Gespräche, die von dem PDA aus zu anderen Telefonanschlüssen werden mit den Tarifen des heimischen Telefonanschlusses berechnet. Ganz gleich, wo man sich gerade aufhält, man telefoniert zum jeweiligen Festnetztarif. Damit kann man manches teure Mobilfunkgespräch in Zukunft umgehen - etwa bei Fremdnetz- oder Auslandsgesprächen. Erheblich günstiger wird es damit auch für die Anrufer, die dann statt einer Mobilfunknummer den Festnetzanschluss anwählen können.

Bald komplett kostenfreie Gespräche im Festnetz?

Kai-Uwe Ricke zeichnete zudem für die Zukunft das Szenario, dass bei bestimmten mit Breitbanddiensten aufgewerteten (und somit auch im Vergleich zu heute teureren) Festnetzanschlüssen überhaupt keine Gesprächsgebühren für Telefonate ins deutsche Festnetz mehr bezahlt werden müssten. Für konkrete Details bzw. Einführungs-Szenarien sei es heute aber noch zu früh, zumal das gesamte Festnetzgeschäft der Deutschen Telekom der Kontrolle der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) unterläge. Als sicher mag es aber schon heute gelten, dass kostenfreie Gespräche nur als zusätzlich buchbare Option bzw. im Rahmen eines Premiumanschlusses für eine im Vergleich zum Basisanschluss deutlich höhere Grundgebühr zu haben sein werden.

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