Kristallkugel

Der Festnetzmarkt in 2004

Unsere Prognose für das kommende Jahr

Für den Verbraucher wird sich 2004 nicht viel an den Preisen ändern, die er für Festnetzverbindungen bezahlen muss. Bei Tarifen ab 1,48 Cent pro Minute bei Ferngesprächen bzw. 0,99 Cent pro Minute bei Ortsgesprächen ist die Luft raus. Billiger geht es kaum, will man nicht Verluste schreiben.

Auf der politischen und rechtlichen Ebene geht das Ringen jedoch weiter. Jeder versucht, für sich möglichst optimale Marktbedingungen rauszuhohlen. Jüngstes Beispiel ist die Anordnung der Regulierungsbehörde, Call-by-Call-ähnliche Dienste nicht mehr über 0190- oder 0900-Nummern anzubieten. Diese wurde wegen Formfehlern vorerst vom Verwaltungsgericht Köln gekippt. Doch damit ist der Streit nur vertagt, nicht entschieden.

Eines der zahlreichen Reformvorhaben, die für 2004 auf der politischen Ebene anstehen, ist die Neuformulierung des TKG. Dieses ist das wichtigste Gesetz für die Tk-Branche. So enthält es die Regeln, zu denen die Wettbewerber untereinander Netzzugang gewähren müssen. Insbesondere Call by Call ist nur dank dem TKG möglich.

Zwar geben die EU-Richtlinien bereits einen relativ engen Rahmen vor, innerhalb dessen das neue TKG sich zu bewegen hat. Das hindert aber die Interessengruppen dennoch nicht daran, politische Lobbyarbeit für ein ihnen möglichst genehmes Gesetz zu leisten. Und so ist ein relativ quälender politischer Prozess zu erwarten, bei dem sich Regierung und Opposition wie gewohnt monatelang streiten, und dann in einer Marathonsitzung in der letzten Minute doch noch zu irgendeiner Lösung kommen.

Was politisch entschieden wird, lässt sich schwer voraussagen. Ein paar Tendenzen sind aber schon absehbar: Weniger Datenschutz, und weiterhin eine gewisse Rechtsunsicherheit für offenes Call by Call. Die Verpflichtung der Deutschen Telekom zur Abrechnung der entsprechenden Dienste wird wahrscheinlich nur eine "kann"-Regelung werden, keine "muss"-Regelung. Folglich entscheidet dann künftig die Regulierungsbehörde, wo sie Inkassopflichten anordnet, und wo nicht.

Eine technische Innovation zeichnet sich im Festnetzbereich dennoch ab: Die zunehmende Nutzung von paketorientierten Sprachdiensten, insbesondere Voice over IP (VoIP) und Voice over DSL (VoDSL) bzw. Voice over ATM over DSL. Wird diese Technik im Backbone benutzt, ergeben sich kaum Unterschiede für den Nutzer, abgesehen von (zumeist) günstigeren Preisen, in manchen Fällen auch etwas schlechterer Qualität.

Doch immer mehr Telekommunikationsunternehmen nutzen die genannten Techniken auch, um Endkunden vor allem aus dem gewerblichen Bereich direkt anzuschließen. Dabei übernehmen zumeist kleine Gateways die Umwandlung der Sprache in Pakete. Der Vorteil: Über eine SDSL-Leitung lassen sich ca. 30 (unkomprimiert) oder gar 120 (komprimiert) Sprachkanäle abwickeln. Mit geeigneten Routern kann die Bandbreite der SDSL-Leitung auch dynamisch zwischen Internetzugang und Telefonie zugewiesen werden, so dass die IP-Telefonie auch dieselbe Sprachqualität erreicht, wie man das von ISDN gewohnt ist. Ein ISDN-Primärmultiplex-Anschluss schafft zwar ebenfalls 30 Sprachkanäle, aber zu ungleich höheren Kosten.

Anders als bei der Einführung von DSL, wo die Deutsche Telekom eine Vorreiterrolle spielte, verhält sie sich bei VoIP für Endkunden derzeit sehr zurückhaltend. Anscheinend ist sie noch nicht bereit, die "heilige Kuh" ISDN zu schlachten, um eine neue, flexiblere und langfristig gesehen auch kostengünstigere Zugangstechnologie einzuführen. Das ist schade, denn eine großflächige Einführung durch die Deutsche Telekom würde die Standardisierung in diesem Bereich voran bringen. Derzeit mangelt es noch an attraktiven Endgeräten in diesem Bereich, beispielsweise kostengünstigen VoIP-Gateways mit eingebauter Telefonanlage für den SOHO-Bereich. Andererseits erhalten so die unabhängigen DSL-Anbieter wie QSC ausreichend Zeit, Erfahrungen zu sammeln, und ihre Infrastruktur aufzubauen. Und das ist gut für selbsttragenden Wettbewerb, der auch ohne Regulierung und TKG funktioniert.

Weitere Meldungen zum Jahresrück- und -ausblick:

Rückblick:
- Festnetz: Mit dem Ortsnetz ist das letzte Monopol der Telekom gefallen
- Internet: DSL- und Schmalband-Preiskampf setzte sich weiter fort; Voice over IP und WLAN boomen
- Security: Spam, Internetwürmer, Viren und Sicherheitslücken sorgen für Aufsehen
- Mobilfunk: Neue MMS-Dienste und erste Handy-Flatrates in Deutschland
 
Ausblick:
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