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MDR-Test: Jede elfte Telekomrechnung ist falsch

ISY Software: Im Durchschnitt wird zu viel berechnet
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Falsche Telefonrechnungen sind immer wieder Thema. Vor zweieinhalb Jahren machte die erschreckende Meldung die Runde, dass jede fünfte in Deutschland verschickte Telefonrechnung nicht korrekt sei. Insbesondere kleinere Anbieter hätten Probleme mit ihren Abrechnungssystemen. Doch auch bei den großen Telekom-Unternehmen wurden immer wieder Unregelmäßigkeiten festgestellt. So warf die Einkaufsgemeinschaft Communitel der Deutschen Telekom vor, dass sie sich in vielen Rechnungen zu ihren Gunsten verrechne. Ein Gutachter stellte daraufhin fest, dass es tatsächlich häufig zur doppelten Berechnung von Gesprächen käme. Die Telekom stoppte die negativen Aussagen damals mit einer einstweiligen Verfügung und beteuerte, dass die Kunden auf ihre Rechnungen vertrauen könnten. Trotzdem wurde die Staatsanwaltschaft aktiv, weil ein Betrugsverdacht bestand. Es hieß, die Überprüfungen würden "eine lange Zeit" in Anspruch nehmen.

MDR-Test: Wieder viele fehlerhafte Telefonrechnungen

Nun teste der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) wiederum Telefonrechnungen und die Ergebnisse sind weiterhin wenig vertrauenserweckend. Für die TV-Sendung umschau überprüfte die ISY Software GmbH in Köln 200 Telefonrechnungen, die Zuschauer eingeschickt hatten. Für die Inspektion setzten die Kölner ihr Fehlersuchprogramm "Isytake" ein. Der MDR und der WDR berichteten jetzt über das Testergebnis in ihren Sendereihen umschau und Aktuelle Stunde.

Auch für Heribert Eich, Geschäftsführer der ISY Software, war das Resultat erstaunlich: "Im Schnitt ist jede Rechnung um 2,40 Euro zu teuer. Bei etwa 40 Millionen Telefonrechnungen der Telekom sind das Monat für Monat rund 10 Millionen Euro, die zu viel gezahlt werden."

Laut Vorschriften der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) muss jede Telefonrechnung nachvollziehbar und überprüfbar sein. Dass dies unbedingt der Fall ist, bestätigte auch Olaf Wüllenrath, Sachverständiger für Telekommunikation, in der Sendung umschau. Aus seiner Sicht sei kein Prüfer in der Lage, die Zig-Millionen von Verträgen ohne weiteres zu checken. Das stellte auch Udo Grub aus Ruppichteroth fest. In seinem Büro für Bauplanung werde zwangsläufig viel telefoniert. Zu Beginn des Jahres hatte er lediglich den Verdacht, dass die Telefonrechnung nicht korrekt sei. Er reklamierte bei der Telekom und erhielt tatsächlich 580 Euro für sechs Monate zurück. Nach dem Motto, "gebranntes Kind scheut das Feuer", lässt er seitdem monatlich seine Online-Rechnungen von "Isytake" untersuchen. Seine Erfahrung: "Keine der Rechnungen hat bisher gestimmt. Manchmal sind es zwar nur Cent-Beträge, die zu viel berechnet werden, aber auch das ist nicht korrekt."

Die häufigsten Fehler

Die häufigsten Fehler, die mit "Isytake" nachgewiesen wurden, waren so genannte Dubletten und/oder abweichende Beträge zwischen Rechnung und Einzelverbindungsnachweis. Unvollständige Einzelverbindungen wurden in erster Linie bei Call-by-Call-Gesprächen gefunden. Das Testergebnis der "umschau" bestätigt die Zahlen, die das Kölner Softwarehaus im Sommer aufgrund einer eigenen Befragung von "Isytake"-Anwendern ermittelt hatte. Das Ergebnis war, dass jede zehnte Telefonrechnung falsch war.

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