abgeschaltet

Swisscom Easy-Roam abgeschaltet

Roaming ist ein teures Vergnügen - Gibt es Alternativen?

Die Schweizer Telefongesellschaft Swisscom Mobile hat wie angekündigt zum 30. November ihre internationale Prepaidkarte NATEL-Easy-Roam komplett abgeschaltet. Etwaiges bis dahin nicht vertelefoniertes Restguthaben ist verfallen. Auch die Rufnummern konnten nicht behalten werden. Nicht betroffen ist die Prepaid-Karte NATEL-Easy, die von der Swisscom als schweizerische, ebenfalls roamingfähige Prepaidkarte angeboten wird.

Warum ausländische Prepaidkarten?

Telefonieren mit einer deutschen Vertrags- oder gar Prepaidkarte im Ausland ist extrem teuer. Minutenpreise können leicht 5 bis 6 Euro erreichen. Regelmäßige Globetrotter könnten sich für jedes besuchte Land eine eigene Prepaidkarte besorgen. Das wird jedoch aufwendig und teuer. Will man seine Urlaubs-Karte vor der Reise in Deutschland erwerben, um allen Freunden vor Abreise die Rufnummer bekanntgeben zu können, kommen gegebenenfalls Kosten des Händlers für Beschaffung und Übersetzung des Handbuchs hinzu. Kauft man die Karte im besuchten Land, muss daheim erst die "neue" Rufnummer bekannt gegeben werden, was wiederum mit Kosten verbunden ist.

Welche Alternativen bieten sich?

Die originale Schweizer NATEL EASY ist relativ teuer und daher in Deutschland kaum erhältlich. Sie kostet in der Schweiz 120 Franken (ca. 84 Euro) mit 80 Franken Guthaben (ca. 56 Euro). Das Startguthaben ist unbegrenzt gültig, wenn mindestens eine kostenpflichtige Verbindung pro Jahr hergestellt wird.

Die Minutenpreise der Natel EASY reichen im Ausland von 2 bis 5 Euro, dafür ist eine Nachladung nach vorheriger Registrierung per Kreditkarte via USSD-Code möglich.

Der Prepaidkartenanbieter Globilo [Link entfernt] setzt auf die Karte von United Mobile, die aber den Nachteil hat, dass sie nur mit bestimmten Handys von Siemens, Sagem, Philips oder Ericsson, jedoch derzeit mit keinem Nokia oder gar einem Modell eines anderen Herstellers funktioniert. Das Liechtensteiner Unternehmen verwendet bestimmte spezielle SIM-Appiclation-Toolkit-Funktionen (SIM-SAT), um das Telefonieren möglichst einfach zu gestalten. Die Preise und Details dazu finden Sie übrigens in einer eigenen Meldung.

Sonderaktion für alte Natel-Easy-Roam-Kunden

Der Kartenspezialist Prepaidkarten.de bietet allen ehemaligen Swisscom Easy-Roam Kunden eine neue Karte aus Luxembourg (Tango Pronto zum Sonderpreis von 50 Euro (sonst 60 Euro) an, wenn die alte Schweizer SIM-Karte an Prepaidkarten.de eingeschickt wird. Auf der Pronto-Karte sind 20 Euro Startguthaben enthalten.

Wie bei Schweizer-Karten spricht die Luxembourger Tango-Hotline auf Wunsch fließend deutsch. Menüsprache und Netzmitteilungen können vom Kunden zwischen deutsch, englisch und französisch umgeschaltet werden. Die ankommende Minute in Europa beginnt bei 25,6 Cent zur Nebenzeit und endet bei ca. 1,65 Euro zur teuersten Zeit im Rest der Welt. Abgehend reichen die Tarife von 38 Cent (Mobilfunk innerhalb Luxembourgs) über 71 Cent (Ziel in Deutschland zur teuren Zeit) bis zu 3,21 Euro für Mobilfunk in exotischen Ländern.

Leider kann die Pronto-Karte (noch) nicht mit dem Satelliten-Netz Thuraya oder in einigen sehr exotischen Netzen verwendet werden.

Zur Geschiche der EASY-Roam

Die Schweizer Swisscom Mobile betrieb nicht nur eines der allerersten kommerziellen GSM-Netze weltweit (NATEL = Nationales AutoTELefon), sie erfanden auch die intelligente Chip-Karte mit dem SICAP; hier wurde das Guthaben anfangs direkt im Chip gespeichert. Von Anfang an zeigte die Schweizer NATEL-Karte ihr Guthaben im Handy-Display an. Da die Swisscom zu den Netzbetreibern mit den weltweit meisten Roaming-Abkommen gehört, entstand EASY-ROAM die erste (fast) weltweit einsetzbare Prepaid-Roaming-Karte.

Für echte Globetrotter waren ihre Preise nicht uninteressant: Ankommende Gespräche kosteten weltweit nur 1 CHF (ca. 0,70 Euro) und abgehende Verbindungen wurden mit durchgehend 2 CHF (ca. 1,40 EUR) pro Minute berechnet, egal wo auf der Welt, was in fernen Ländern wie z. B. in China ein echtes Schnäppchen war. Besonderer Clou: Vorhandenes Kartenguthaben konnte von der einen Easy-Roam auf eine andere Easy-Roam Karte über die Hotline oder den Deutschland-Vertrieb umgebucht werden.

In ihren besten Tagen wurde die Easy-Roam auch über die Swisscom-Tochter debitel vertrieben, ferner über prepaidkarten.de und den Freiburger Prepaidanbieter globilo.de.

Verschobene Abschaltung

Da die Easy-Roam völlig anonym verkauft wurde, war sie auch bei "weltweit gesuchten Personen" attraktiv, was im Schweizer Heimatland eine heftige politische Diskussion über die Anonymität von Prepaidkarten auslöste. Bis heute besteht in der Schweiz kein Zwang zur Registrierung.

Wohl auch aus Kostengründen entschloss sich Swisscom das Nischen-Produkt erst zum 31. Dezember 2002 sterben zu lassen, besann sich dann aber nach Kunden-Protesten auf den 30. November diesen Jahres. Richtig Schluss war dann am 1. Dezember um 12 Uhr (deutscher Zeit), um auch den Nutzern in fernen Ländern noch letzte Telefonate zu ermöglichen.