Satellit

Thuraya: WAP über All

Arabischer Satellitentelefonanbieter erweitert Service
Von Volker Schäfer
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Neben den großen internationalen Satellitentelefonnetzen Inmarsat, Iridium und GlobalStar machte in den letzten Jahren der arabische Anbieter Thuraya von sich reden. Zwar deckt das Unternehmen lediglich 99 Länder von der Nordsee bis zur Sahara und vom Atlantik bis Indien ab, dafür sind die Thuraya-Handys vergleichsweise klein und handlich und dazu noch sehr einfach in der Bedienung.

Als zusätzliches Feature haben die Telefone auch die GPS-Navigation an Bord. Das ist gerade für Weltenbummler, die sich beispielsweise in der Sahara aufhalten, durchaus ein Vorteil. Die Navigationsfunktion kann jedoch auch ein Nachteil sein. So gelang es auch schon in Skandinavien, den Thuraya-Satelliten zu empfangen. Telefonieren konnte man aber trotzdem nicht, da Nordeuropa nicht zum offiziell versorgten Gebiet gehört. Da der Aufenthaltsort auch abrechungsrelevant ist, war ein Einbuchen ins Netz nicht möglich.

Großer Vorteil von Thuraya gegenüber Iridium sind zahlreiche Roamingabkommen mit terrestrischen GSM-Mobilfunknetzen. So kann das Satellitennetz quasi als Backup für die terrestrische Versorgung dienen, zum Beispiel in Ländern, die nur in wenigen Städten eine GSM-Infrastruktur haben. Die Handys unterstützen auch den GSM 900-Standard, so dass das Umbuchen zwischen den Systemen problemlos und ohne Gerätewechsel möglich ist.

In Deutschland roamt Thuraya allerdings ausgerechnet mit E-Plus und o2, so dass die terrestrischen Netze nur mit einem Zweithandy, das auch GSM 1800 unterstützt, genutzt werden können.

Inzwischen hat Thuraya, das mit nur einem einzigen geostationären Satelliten auskommt, einen zweiten Erdtrabanten gestartet. Dieser dient jedoch nur als Backup und zur Kapazitätserweiterung. Das Verbreitungsgebiet des Sat-Handy-Netzes wird bis auf Weiteres nicht vergrößert.

SMS-Dienste, wie sie bei Iridium erst seit kurzem möglich sind, bietet Thuraya bereits seit Netzstart an. Neu ist ein eigener WAP-Service. Damit steht das Unternehmen unter den Satellitennetzen alleine da. Und für den schnellen und unkomplizierten mobilen Abruf von Informationen, oder auch für den Versand und Empfang von E-Mails - ist WAP sehr gut geeignet. So benötigt man kein zusätzliches Laptop, um mit der Welt elektronisch verbunden zu sein. Außerdem ist die übertragene Datenmenge deutlich kleiner als beim "richtigen" Internet, was wiederum zu kürzeren und damit kostengünstigeren Online-Sessions führt.

Ganz preiswert ist Thuraya dennoch nicht. Die von Ascom gefertigten Handys kosten derzeit rund 1 150 Euro. Damit liegt man aber immer noch deutlich unter dem Iridium-Handy Motorola 9505, für das man derzeit rund 1 600 Euro investieren muss. Das ältere Motorola 9500, das deutlich preiswerter war, ist kaum noch neu zu bekommen. Ein echtes Schnäppchen ist dagegen das schon etwas ältere GlobalStar-Handy Telit [Link entfernt] Sat 550: Dieses ist bereits für rund 500 Euro zu haben.

Die Minutenpreise für Gespräche und Datenverbindungen liegen bei Thuraya nach Angaben auf der Webseite des Unternehmens zwischen 50 Cent und 1,50 Euro und damit auf dem gleichen Niveau wie Iridium. Die genauen Preise sind abhängig vom eigenen Aufenthaltsort und von der Zielrufnummer.

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