Start

Editorial: Nahe Bindungen

Pre-Selection im Ortsnetz

Nur noch drei Tage, dann startet die feste Anbietervorauswahl (Pre-Selection) auch im Ortsnetz. Bisher war diese nur für Fern- und Auslandsgespräche, sowie für Verbindungen in Mobilnetze möglich.

Mit Sparmöglichkeiten von bis zu 83% (kurze Ortsgespräche kosten bei 01051 Telecom nur 1 Cent, im Vergleich zu 6 Cent bei der Deutschen Telekom) war Call by Call im Ortsnetz vor etwas über zwei Monaten gut gestartet. Bei einer Umfrage gab nach dem Start fast jeder zweite Deutsche an, Call by Call im Ortsbereich zumindest ab und zu nutzen zu wollen. Auch wenn die tatsächliche Nutzung niedriger liegen dürfte: Die alternativen Anbieter können über diesen Weg täglich viele Millionen Minuten zusätzlich abwickeln.

Ob die Anbieter sich über die zusätzlichen Umsätze derzeit freuen, ist aber nicht ganz klar. Bei den günstigsten Firmen sind die Minutenentgelte für Call by Call im Ortsnetz nämlich derzeit so tief, dass damit Verluste programmiert sind. Einführungsangebote, bei denen man Waren unter den eigenen Gestehungskosten verkauft, gibt es aber auch woanders, und so darf man die derzeitigen Aktionen durchaus als Marketing verstehen.

Doch auch die längste Marketing-Aktion ist irgendwann vorüber, und so ist durchaus zu erwarten, dass die Preise im Ortsbereich wieder steigen werden. Wer in den nächsten Tagen einen Pre-Selection-Vertrag für das Ortsnetz abschließt, sollte das berücksichtigen, und die Preise weiter verfolgen. Sonst zahlt man am Schluss mehr für Ortsgespräche, als wenn man bei der Deutschen Telekom geblieben wäre.

Weiterhin ist zu erwarten, dass günstige Ortsnetz-Gespräche als "Lockvogel" auch für Ferngesprächs-Pre-Selection verwendet werden. Dabei kann man für Ortsgespräche und für andere Verbindungen getrennte Pre-Selection-Verträge abschließen, was oft auch sinnvoll ist. Wer viel zu Handys telefoniert, und dabei immer wieder die Mailbox erwischt, sollte möglichst einen Vertrag mit sekundengenauer Abrechnung wählen, wie ihn beispielsweise Tiscali anbietet. Doch gibt es bei diesem keine Ortsgespräche, so dass im genannten Fall für Ortsgespräche eine Pre-Selection auf einen anderen Anbieter erfolgen sollte.

Unklar ist, wie schnell die Deutsche Telekom die entsprechenden Anträge bearbeiten wird. Verbraucherschützer befürchten, dass es zu einem Auftragsstau kommen könnte, denn besonders hoch ist das Interesse der Telekom ja nicht, die Umstellungen alle pünktlich auszuführen. Viele Inhaber von Ferngesprächs-Pre-Selection wurden aber bereis angeschrieben, ob sie diese auch auf den Ortsbereich ausdehnen wollen, und entsprechend viele Anträge liegen vor.

Ebenfalls darf man darauf gespannt sein, wie korrekt Pre-Selection-Aufträge bearbeitet werden, die sich nur auf Orts- oder nur auf Ferngespräche beziehen. Diese werden nämlich zunächst von den alternativen Anbietern erfasst, denen es schonmal passieren kann, einen entsprechenden Auftrag zu "generös" zu erfassen.