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Editorial: Das Flatrate-Sterben geht weiter

Nur Freenet prescht mit neuem Angebot vor

Für Nutzer von Flatrates waren die letzten Tage traurig: AOL erhöht die Preise für die DSL-Flatrate und stellt die bisher im Losverfahren verteilte Analog-/ISDN-Flatrate komplett ein. GMX streicht die DSL-Flatrate. T-Link verteuert die Flatrate um sieben Euro. Und Expressnet unterbricht die Vermarktung der DSL-Flatrate bis zum 2. Juni, um dann "aktualisierte und verbesserte DSL-Produkte" vorzustellen. Wundern würde es, wenn dabei der Preis der DSL-Flat nach unten korrigiert wird.

Der Trend geht also ganz klar weg von der DSL-Flatrate hin zum DSL-Volumentarif. Auch bei diesem darf man unbegrenzt lange online sein, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen. Für "moderate" Internet-User sind Volumentarife auch ausreichend, und selbst Vielsurfer überschreiten zumeist nicht die Limits. Wer täglich seinen Browser neu herunterlädt und installiert, täglich zwei MP-3-Songs saugt und täglich 100 Homepages ansurft, bleibt damit trotzdem zumeist unter zwei Gigabyte. Der dafür geeignete DSL-Tarif von GMX oder von 1&1 kostet unter 10 Euro monatlich. Flatrates sind mindestens doppelt so teuer.

Kein Wunder, dass immer mehr Kunden in die günstigen Volumentarife wechseln. Doch damit wird den Flatrates zunehmend die Kalkulationsgrundlage entzogen. Ein Nutzer, der seinen Rechner 24 Stunden am Tag bei einer Tauschbörse angemeldet hat, erzeugt damit im Monat bis zu 40 Gigabyte Traffic (DSL mit 128 kBit/s Upstream). Saugt der Nutzer auch selber fleißig Inhalte, können es im Monat auch 100 Gigabyte und mehr werden. Setzt man Backbone-Kosten von ein bis zwei Euro pro Gigabyte an, wird schnell klar, dass der Provider bei einem solchen Power-User stark draufzahlt.

Damit sich die Flatrate für den Provider rechnet, müssen auf jeden Power-User zahlreiche Normaluser kommen, die mit wenigen Gigabyte bereits ausreichend bedient sind. Alternativ kann der Provider versuchen, die Power-User auszusperren, was zumindest der Backbone-Betreiber Telefónica (früher Mediaways) auch praktiziert.

Um so erstaunlicher, dass Freenet mit einem neuen Flatrate-Angebot vorprescht, das es in sich hat: Ausdrücklich ist bei diesem auch die Nutzung mit Rechnernetzwerken und von T-DSL-1500-Anschlüssen aus zugelassen. Weiter heißt es, dass es keine Portsperren gibt, und dass die Flatrate ideal für die Nutzung von Tauschbörsen geeignet sei.

Für einen Euro weniger als bei AOL oder T-Online bekommt man damit bei Freenet eine Flatrate mit doppeltem Speed. Es ist zu hoffen, dass sich Freenet hier nicht verrechnet hat und in wenigen Monaten nachbessern muss, sei es über höheren Preis, sei es über Einschränkungen bei der Leistung.