mobiles Geld

M-Payment nimmt Banken Marktanteile ab

Zahlen per Telefonrechnung - Wachtumsschub für M-Commerce
Von Marie-Anne Winter
AAA
Teilen

Die europäischen Mobilfunkunternehmen nehmen den Banken zunehmend Marktanteile bei der mobilen Zahlungsabwicklung (M-Payment) ab. Die von Vodafone, T-Mobile, Telefonica und Orange gegründete Allianz für das Bezahlen per Handy wird dem M-Commerce einen neuen Wachstumsschub geben, von dem die Banken kaum profitieren. Das ergab die Studie "Branchenkompass Kreditinstitute" von Mummert Consulting. Weil die Zahlungsabwicklung per Telefonrechnung erfolgt, geht das mobile Geschäft an den Banken vorbei. Die Banken investieren durchschnittlich nur 2,2 Prozent ihrer Budgets in den Ausbau des M-Banking. Nur jedes zweite Kreditinstitut will überhaupt noch in den Zahlungsverkehr investieren. Lediglich acht Prozent aller Banken rechnen damit, durch die Abwicklung von Zahlungsgeschäften Gewinne zu erzielen. Die vier Mobilfunkbetreiber bringen dagegen genügend Kunden ein, um das mobile Zahlungsgeschäft rentabel betreiben zu können.

Die deutschen Kreditinstitute laufen der Entwicklung im M-Payment schon länger hinterher. Die Mobilfunker werden mit ihrem eigenen Bezahlsystem den Geldinstituten in den kommenden Jahren Teile ihres Kerngeschäftes abjagen. Zwar rechnen 73 Prozent der Banken damit, dass sich ein einheitlicher Standard für das mobile Bezahlen durchsetzen wird. Doch diesen Standard und das dazugehörige Geschäft etablieren und nutzen die Mobilfunkunternehmen. Insgesamt will überhaupt nur jede zweite Bank (47 Prozent) ihren Kunden M-Payment-Dienste anbieten. Diese Lücke besetzen die grossen Mobilfunkunternehmen mit ihrer neuen Allianz. Händler und Einkäufer können über die einheitliche M-Payment-Plattform effizienter zusammenarbeiten als mit der Einzelabwicklung von Zahlungsgeschäften über die Banken. Zu den Gewinnern der neuen M-Payment-Allianz werden nach Einschätzung von Mummert Consulting neben den Mobilfunkunternehmen auch Software- und Content-Provider gehören. Mit der einheitlichen Bezahlplattform und der vermehrten Nutzung von M-Commerce-Diensten tun sich für sie neue Geschäftsperspektiven auf.

Die einheitliche Plattform der Netzbetreiber kann im Privatkundengeschäft den Durchbruch für mobiles Bezahlen bringen. Die Wachstumschancen beim M-Payment sind immer noch groß. Jeder zweite Handybesitzer unter 30 Jahren nutzt bereits M-Commerce-Dienste per Handy. Die wichtigste Voraussetzung, um den Markt zu erschließen: Möglichst viele Netzbetreiber sollten ihre Systeme aufeinander abstimmen und gemeinsame Standards einführen. Erst dann kann das mobile Handeln und Bezahlen reibungslos funktionieren. Mehrere konkurrierende Bezahlsysteme sind für die Entwicklung des M-Commerce ein Hindernis. Anbieter wie Paybox mussten ihr Geschäft mit den Endkunden in Deutschland einstellen, weil sie hier keine starken Partner für ihre Dienste gewinnen konnten. In Österreich, wo Paybox unter anderem Netzbetreiber Mobilkom Austria als Partner gewinnen konnte, läuft das Angebot weiter und erfreut sich großer Beliebtheit.

Teilen