konfliktgeladen

Was bringt 2003?

Unsere Vorhersage für den Bereich Festnetz

Im kommenden Jahr wird das Thema "Call-by-Call" vermutlich gleich mehrfach die Gerichte beschäftigen. Die Deutsche Telekom wird versuchen, die ex-ante-Regulierung, bei der sie jede Preisänderung genehmigen lassen muss, abzuschaffen. Sie wird auch alles daran setzen, die Urteile des Verwaltungsgerichts Köln zu verteidigen, die beispielsweise Einschränkungen beim Inkasso vorsehen. Außerdem hatte das Gericht Anordnungen der Regulierungsbehörde aufgehoben, die kurze Fristen für die Bereitstellung von Mietleitungen und Teilnehmer-Anschlussleitungen vorsahen. Auch die Vorleistungs-Flatrate wurde von den Kölner Richtern gekippt.

In einigen Punkten - beispielsweise bei der Abrechnungsfrage - steht eine Änderung der einschlägigen Gesetze und Verordnungen wie TKG [Link entfernt] und TKV [Link entfernt] an. Hier bleibt für den Verbraucher zu hoffen, dass Regierung und Opposition ihre gegenseitige Blockade-Politik beenden. Denn was rauskommt, wenn im Vermittlungsausschuss irgendwelche Gummi-Paragraphen in bestehende Entwürfe eingeflickt werden, haben wir beim Call-by-Call im Ortsnetz gesehen: Auf dem Papier seit Dezember 2002 möglich, in der Praxis wohl nicht vor März oder April 2003. Zum Glück gibt es den Umweg über 0190-0xy, wo Call-by-Call im Ortsnetz schon heute möglich ist. Doch ist die Zukunft dieser Nummern dank dem Kölner Urteil über die Abrechnungsfrage ungewiss. Und wenn Ende 2005 die 0190er-Gasse abgeschafft wird, dürfte es auch mit dem Call-by-Call darüber vorbei sein.

Eine weitere wichtige Neuerung in 2003 ist die Einführung der 0900-Rufnummern, die nach und nach die 0190-Rufnummern ersetzen werden. Zwar hat die Deutsche Telekom relativ verbraucherfreundliche Bedingungen für die Nutzung der neuen Service-Nummern veröffentlicht. Doch darf schon jetzt vermutet werden, dass andere Anbieter anders vorgehen werden.

Ende 2001 hatten wir für 2002 vorhergesagt, dass Festnetz-Anbieter aufgeben werden. Hier waren wir etwas zu pessimistisch, zumindest, was es offenes Call-by-Call betrifft: Zwar hat Ende 2002 Interoute Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt. Doch noch geht der Service weiter. Auch Talkline ID hat Call-by-Call nicht eingestellt, sondern bietet dieses weiterhin an. Ventelo wurde an QSC verkauft. MobilCom kam zwar aufgrund des Rückzugs der France Télécom aus den gemeinsamen UMTS-Träumen heftig ins Trudeln, erscheint aber vorerst gerettet.

Wirklich aufgeben musste 2002 der kombinerte DSL- und Festnetz-Anbieter Streamgate. Der Fall von KPNQwest beschäftigte monatelang die Medien; hier kam es zur zwangweisen Netzabschaltung. Die milliardenschweren Manipulationen bei WorldCom werden unvergessen bleiben.

Auch wenn die Aussicht für viele Tk-Unternehmen weiterhin schwierig ist: Die Zeit der spektakulären Zusammenbrüche dürfte erstmal vorbei sein. Die Analysten, die Wachstum um jeden Preis predigten, sind verschwunden. Und die Marketing-Chefs wissen, dass die Kunden nicht beliebig viel Geld haben, um es für irrwitzige neue Dienste zum Fenster herauszuwerfen. Folglich kalkuliert die Branche wieder solider - die beste Voraussetzung für künftige Gewinne.