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Kommentar: Sommer-Gerüchte

Gibt es (k)einen Wechsel an der Spitze der Deutschen Telekom?
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"Ron Sommer hat die absolute Rückendeckung der deutschen Politik", "Würde Ron Sommer einen politischen Machtwechsel im September überleben?", "Die Front gegen Ron Sommer wächst!" - eigentlich verging in den letzten Wochen kein Tag ohne eine dieser Schlagzeilen über die Zukunft des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom. Jüngst berichtet die Wirtschaftswoche, dass Ron Sommer am kommenden Montag, 15. Juli, vom früheren Volkswagen-Chef Ferdinand Piech abgelöst werden soll. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf das Düsseldorfer Wirtschaftsblatt habe Bundeskanzler Gerhard Schröder das Amt Piech am vergangenen Freitag bei einem Treffen im Berliner Kanzleramt angetragen. Demnach werde Sommer spätestens am kommenden Montag zurücktreten.

Die Bundesregierung hat dem Bericht der Wirtschaftswoche heute nachmittag umgehend widersprochen. "Das kann ganz klar dementiert werden", sagte ein Sprecher des Bundespresseamtes am Dienstag in Berlin. Piech habe sich zwar am vergangenen Freitag im Kanzleramt aufgehalten. Er habe aber nur an einem deutsch-amerikanischen Freundschaftsfest teilgenommen, das VW gesponsert habe. In Gesprächen zwischen dem Bundeskanzler Gerhard Schröder und Piech sei "mit keinem Wort die Deutsche Telekom erwähnt" worden. Auch Piech selber hat inzwischen dementiert, dass es entsprechende Vereinbarungen gebe.

Ob und wieweit die heutigen Schlagzeilen bzw. die darauffolgenden Dementi in die Welt der Phantasien abzuschieben sind, oder ob es am kommenden Montag wirklich zu einem Führungswechsel bei der Deutschen Telekom kommt, bleibt Spekulation. Sicherlich kann es langfristig weder Interesse der Telekom noch des Hauptaktionärs, dem Bund, sein, dass derart offen und über Wochen hinweg über den Posten des Vorstandsvorsitzenden spekuliert wird. Auch dass heute erstmals konkrete Namen für Nachfolger genannt werden, spricht für ein mögliches, nahes Ende von Ron Sommer bei der Telekom. Ron Sommer steht unter anderem wegen des dramatischen Absturzes der T-Aktie und des hohen Schuldenstandes des Unternehmens in der öffentlichen Kritik.

Die Aktie hat gegenüber ihrem Höchststand zu Jahresbeginn 2000 mehr ca. 90 Prozent an Wert verloren und vor kurzem bei 8,14 Euro ein absolutes Tief markiert. Rund drei Millionen Deutsche halten Telekom-Aktien. Die Entwicklung der einstigen "Volksaktie" wird zunehmend auch zu einem Thema im laufenden Wahlkampf. So halten Börsenkenner es durchaus für möglich, dass Ron Sommer als Bauernopfer im Wahlkampf herhalten und den Vorstandsvorsitz bei der Deutschen Telekom abgeben muss. Der Bund kontrolliert noch rund 43 Prozent des Telekom-Kapitals und ist damit größter Aktionär des einstigen Staatsbetriebes.

Auf der anderen Seite hat sich Ron Sommer in den letzten Jahren zu vielerlei Gelegenheiten als Fels in der teils stürmischen Brandung des Unternehmens Deutsche Telekom erwiesen. Somit scheint ein Rücktritt aus freien Stücken nicht wahrscheinlich. Ob, und wenn zu welchen Konditionen, er zu einer Freistellung aus seinem noch bis 2005 laufenden Vertrag bereit ist, bleibt ebenso offen. Eine vorzeitige Auflösung könnte die ohnehin stark verschuldete Deutsche Telekom mehrere Millionen Euro kosten.

Die Frage, ob Ferdinand Piech nun der richtige Mann für die Deutsche Telekom ist, lässt sich derzeit nur schwer beantworten. Der Österreicher, ein studierter Maschinenbauer und leidenschaftlicher Konstrukteur von Automobilen, war bisher als "Hardliner" in der Automobilindustrie bekannt. Dort hat er die von ihm gemanagten Betriebe Audi und zuletzt Volkswagen dank seiner Konsequenz und einem knallharten Kostenmanagement auf die Erfolgsschiene (zurück-)geführt. Die Kernfragen für die Deutsche Telekom sind derzeit aber weniger das eigene Kostenmanagement, sondern vielmehr die letzten Verkrustungen des Staatsbetriebs zu entfernen, sowie neue, aussichtsreiche Kommunikationsprodukte zu entwickeln und diese erfolgreich am Markt zu platzieren.

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