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Reaktionen zum Urteil über Ortsnetze

BREKO skeptisch, RegTP optimistisch, Telekom reagiert
Von Karin Müller / dpa
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Die Meldung von heute Vormittag hat inzwischen eine Reihe an unterschiedlichen Reaktionen hervorgerufen, die wir hier kurz zusammenstellen wollen.

Der Bundesverband der regionalen und lokalen Telekommunikationsgesellschaften e.V. (BREKO) betrachtet das Urteil zu Reselling-Angeboten des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Münster mit Skepsis. Er ist der Meinung, dass mit dieser Entscheidung einseitig Telekommunikationsanbieter unterstützt werden, die keine eigene Infrastruktur aufgebaut haben und sich nun ins Ortnetz einkaufen können. "Mittel- und langfristig geht von Reselling-Angeboten, die weitgehend ohne eigene Netzinfrastruktur auskommen, keine Stärkung des Wettbewerbs aus", erklärt Rainer Lüddemann, BREKO-Geschäftsführer.

Ein besonderes Problem sieht der BREKO zum Beispiel in den Dumpingpreisen für T-DSL der Deutschen Telekom. Diese müssten nun auch an die Reseller weiter gegeben werden. Der Preis für den Weiterverkauf an Mitbewerber müsse sogar unter dem eigenen Endkundenpreis der DTAG liegen. Lüddemann: "Es besteht die Gefahr, das alle Infrastrukturcarrier in diese Grube herein fallen, die sich die DTAG selbst gegraben hat. Ein solch verzerrter Wettbewerb wird nicht lange Bestand haben."

Matthias Kurth, Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) gibt sich dagegen sehr optimistisch. Er geht davon aus, "dass die Telekom jetzt umgehend ein Resell-Angebot vorlegt und ihre Verzögerungstaktik endlich beendet".

Tatsächlich kündigte Telekom-Sprecher Stephan Broszio an, sein Unternehmen werde dem Wettbewerber Debitel kurzfristig ein Angebot unterbreiten. Über den Inhalt wollte er allerdings noch keine Angaben machen.

Broszio deutete jedoch an, dass die Telekom unter bestimmten Bedingungen auch zu Resell-Angeboten an weitere Wettbewerber bereit sei. Allerdings müssten diese Unternehmen das bei der Telekom eingekaufte Produkt nicht nur weiterreichen, sondern auch einen Eigenbeitrag leisten. "Die Vorleistungen müssen veredelt werden", sagte Broszio.

Debitel-Sprecher Rudi Schmidt sagte, es werde eigene Produkte der Stuttgarter geben, unter Umständen in Kombination mit den Mobilfunkdienstleistungen. Die Gerichts-Entscheidung in Münster bezeichnete er als Durchbruch für die Öffnung des Ortsnetz-Wettbewerbs. "Ich glaube, wir sind jetzt durch", sagte Schmidt.

Auf die T-Aktie hatte das Bekanntwerden der gerichtlichen Entscheidung mal wieder einen negativen Einfluss. Der Kurs gab am Morgen deutlich nach und lag teilweise mit über drei Prozent im Minus. Doch später folgte die T-Aktie dem Trend des DAX, und notiert daher am Abend mit einem deutlichen Plus.

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