Content kostet

Weg von der "Kostenlos-Kultur" im Internet

T-Online-Chef Holtrop: "Nutzer müssen künftig für bestimmte Inhalte zahlen"
Von Marie-Anne Winter
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Nach Flatrate-Fiasko und Börsen-Debakel bei T-Online glaubt Thomas Holtrop, der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Online-Provider, nun das Erfolgsrezept für sein Unternehmen in der Hand zu haben: "Wir müssen von der Kostenlos-Kultur im Internet wegkommen." Gegenüber der Zeitschrift ONLINE TODAY (Ausgabe 5/01, EVT 26. April) äußert er sich erstmals in einem längeren Interview: "Wenn wir z.B. ein Konzert mit Eric Clapton präsentieren, wird es bald so sein, dass ab einer bestimmten Minute die Gebührenuhr tickt. Die bisherige Praxis, dass Inhalte umsonst angeboten werden, ist ökonomisch nicht durchzuhalten. Der User muss bereit sein, einen Preis für Mehrwert zu zahlen."

Der Grund für das gescheiterte Flatrate-Projekt ist für Holtrop eindeutig: "Manche User waren täglich 20 Stunden online, sie nahmen die Flatrate quasi als Standleitung. Dies war technisch und wirtschaftlich nicht tragbar." T-Online müsse für die Flat-Kunden minutenbasierte Tarife an den Mutterkonzern Deutsche Telekom entrichten. "Das kann bei diesem hohen Minutenaufkommen die Eigenkosten nicht decken", so Holtrop.

Allerdings ist T-Online nicht das einzige Unternehmen, das mit diesen Problemen zu kämpfen hat. Alle Flatrate-Anbieter können ein Lied davon singen - und für viele von ihnen war es im vergangen Herbst das Lied vom Tod. Am epedemieartigen Flatrate-Sterben war der Mutterkonzern von T-Online, die Deutsche Telekom auch nicht ganz unschuldig, schließlich hat sie sich bisher nicht bereit gefunden, ihren Mitbewerbern ein akzeptables Großhandelsangebot für Internetzugänge zu unterbreiten.

Auch den wenig erfreulichen Aktienkurs kommentiert der Vorstandsvorsitzende: "Keiner hat gesagt, dass die Börse eine Einbahnstraße ist." T-Online habe allerdings die Substanz, aus der derzeitigen Börsen-Unsicherheit gestärkt hervorzugehen. Holtrop sieht T-Online jetzt in der Pole-Position, um das führende Internet-Medienhaus Europas zu werden: "Wir fahren auf zwei Spuren. Zum einen wollen wir bis zum Jahresende insgesamt zehn Millionen Kunden haben, die über T-Online ins Internet gehen. Zum anderen werden wir ganz deutlich die Inhalte, also den Content, von T-Online stärken. Mit diesen neuen Inhalten werden wir unseren Portalumsatz bis 2004 von heute 14 Prozent auf über 30 Prozent steigern." Die derzeit umstrittenen Allianzen des Internet-Providers mit den "heute"-Nachrichten des ZDF und mit Springers Portal Bild.de sieht der 46-Jährige gelassen: "Das alles muss geklärt werden. Aber ich bin da sehr frohgemut und zuversichtlich."

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