passt wie angegossen

VATM kritisiert Telekom-Angebot / T-Online schweigt

Die Großhandelsflatrate ist maßgeschneidert - aber wohl nur für T-Online
Von Matthias Maetsch

Das Angebot der Deutschen Telekom AG für eine Großhandelsflatrate bedürfe deutlicher Nachbesserungen, um den Kunden faire Flatratepreise anbieten zu können, kritisiert der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V. (VATM).

Die Deutsche Telekom wolle den Wettbewerbern eine Flatrate nur an den etwa 1600 Teilnehmervermittlungsstellen der DTAG anbieten. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) hatte als Obergrenze für ein effizientes Netz eine Zahl von maximal 475 Zusammenschaltungspunkten festgelegt. Um die nun von der DTAG vorgeschlagenen Vermittlungsstellen anzuschließen, müssten die Wettbewerber weit darüber hinaus gehende Investitionen in den Netzausbau stecken oder die Anmietung teurer Zuleitungen der DTAG in Kauf nehmen. Auf diesem Wege versucht die DTAG nun die Entscheidung der RegTP auszuhebeln, die Kosten in die Höhe zu treiben und so attraktive Angebote für die Kunden der Wettbewerber zu verhindern.

"Die Telekom nutzt hier einmal mehr ihre Monopolstellung", so Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM. "In der jetzigen Form ist das Angebot eine Mogelpackung, da die Wettbewerber die Vermittlungsstellen nur mit weiteren erheblichen Kosten erreichen können."

Soweit zur Stellungnahme des VATM. Der Inhalt der Stellungnahme fiel erwartungsgemäß negativ aus, da sich im VATM speziell die Konkurenz der Telekom zusammenschloss. Das durch die Telekom vorgelegte Angebot vermeidet vor allem, dass das finanzielle Risiko von Flatrate-Verträgen auf die Telekom zurückfällt, da bei dem vorliegenden Modell das Fernsprech-Netz der Telekom so gering wie möglich belastet wird. Die Bereitschaft der Telekom, sich durch gering bezahlte Datenverbindungen das Fernsprech-Netz zu blockieren, konnte eigentlich auch von der Konkurenz kaum erwartet werden. Viel-Surfer werden auch in Zukunft hauptsächlich ein Problem der Provider sein, da man mehrere Kunden pro Einwahl-Port anbinden muss, damit sich ein Flatrate-Angebot überhaupt rechnet. Wenn dieser Port nun aber durch einen Dauer-Nutzer bereits belegt ist, erhalten die anderen mit angeschlossenen Kunden nur ein "Besetzt".

T-Online, der größte deutsche Internet-Provider, wollte sich bisher zum Angebot des Telekom-Mutterkonzernes nicht äußern. Man wolle das Angebot erst einmal prüfen. Die vor einigen Tagen angekündigte Abschaffung der langen Vertragsbindungen für T-Online-Kunden deutet aber darauf hin, dass es sich insgesammt um ein geschicktes Manöver des Telekom-Konzernes handelt, um das Kundenwachstum von T-Online nicht zu gefährden. T-Online dürfte auf Grund seiner Größe der einzigste Provider sein, für welchen sich eine bundesweite Inanspruchnahme des neuen Telekom-Angebotes rechnet. Als "maßgeschneidert" könnte man dies wohl bezeichnen.