nachgerechnet

Großhandelsflatrate: Nicht die Flatrate, sondern Internet-by-Call wird billiger

Trotz Einkauf per Flatrate darf der ISP minutenbasiert weiterverkaufen
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Die gestern bekannt gegebene Entscheidung der Deutschen Telekom, eine Großhandelsflatrate anzubieten, wird einer Analyse von teltarif.de zufolge nicht zu einem Flatrate-Boom führen. Denn auch bei dem neuen Angebot der Deutschen Telekom trägt der Internet-Service-Provider und nicht die Deutsche Telekom das Risiko, dass seine Flatrate-Kunden Standleitungen ins Internet aufbauen. Zwar betragen die Kosten für den ISP bei Rund-um-die-Uhr-Surfern nur noch 160 Mark netto im Vergleich zu bisher über 500 Mark, doch sind diese Kosten weiterhin deutlich höher als der von AOL und T-Online vorgegebene Flatrate-Marktpreis von knapp 80 Mark brutto. Gerade kleinere ISP ohne Kapitaldecke sollten sich überlegen, ob sie das Risiko tragen können und wollen, unter ihren Flatrate-Kunden nur Dauersurfer zu haben.

Es steht dem Internet-Service-Provider aber frei, die von der Telekom per Flatrate eingekaufte Leistung dem Endkunden weiterhin minutenbasiert abzurechnen. Musste der ISP der Telekom für Internet by Call zur Hauptzeit mindestens 1,71 Pfennig pro Minute für so genannte Interconnect-Kosten bezahlen, kann er über die Großhandels-Flatrate bei guter Auslastung die Kosten auf unter einen Pfennig pro Minute drücken. Wird diese Preissenkung an die Verbraucher weitergegeben, so wird Internet by Call nochmal 20 bis 25 Prozent günstiger.

Zu Zeiten geringer Auslastung - beispielsweise nachts - könnten ungenutzte Kapazitäten zum Schleuderpreis vermarktet werden. Der "Nachtsurf zum halben Preis" ist somit in greifbare Nähe gerückt. Telekom-Pressesprecher Domagala warnt allerdings, dass die ISP trotzdem weiterhin "wirtschaftlich sinnvoll handeln" müssen. Wenn im von Großhandelsflatrate und wegfallenden Rabattgesetz ausgelösten Preiskrieg die Marge kaputt geht, kann das nicht die Schuld der Deutschen Telekom sein.

Soll hingegen eine "echte" Flatrate angeboten werden, muss gemäß der Beispiel-Kalkulation von teltarif.de der ISP dafür sorgen, dass die Zugangskosten nicht mehr als 40 bis 50 Mark betragen. Das ist bei der neuen Großhandelsflatrate (30 Leitungen für 4800 Mark monatlich) der Fall, wenn mindestens vier Flatrate-Kunden sich eine Leitung teilen. Daraus ergibt sich, dass die Kunden im Durchschnitt höchstens fünf bis sechs Stunden am Tag online sein dürfen. Wollen alle Kunden zur selben Zeit surfen, bekommen die meisten nur noch das Besetzt-Zeichen zu hören.

Lesen Sie zum Thema Großhandels-Flatrate auch die Stellungnahme von AOL der Regulierungsbehörde und des VATM, sowie die Antwort der Deutschen Telekom.

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