rentabel?

Deutsche Telekom verteidigt UMTS-Lizenzerwerb

Sommer: Kosten trotz "exorbitanter Höhe" gerechtfertigt - Konzerngewinne gehen im ersten Halbjahr bei Umsatzplus zurück
Von Christopher Paun / AFP
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Telekom-Chef Ron Sommer hat die hohen Ausgaben seines Unternehmens für UMTS-Mobilfunklizenzen in verschiedenen europäischen Ländern als "eindeutig gerechtfertigt" verteidigt. Die Kosten seien zwar "exorbitant hoch", die Telekom wäre als Mobilfunkanbieter aber "in die zweite Garde abgerutscht", hätte sie den Preis für den UMTS-Marktzutritt in Deutschland oder Großbritannien nicht zahlen wollen, sagte Sommer am Dienstag vor Journalisten in Bonn. Eine UMTS-Lizenz sei "die Eintrittskarte zu einem Megamarkt mit fantastischen Perspektiven". Dabei ins Hintertreffen zu geraten, sei für die Deutsche Telekom eine "unternehmerisch keinesfalls zu verantwortende" Alternative gewesen. In Deutschland werde innerhalb der nächsten zehn Jahre eine "Vollversorgung" mit UMTS-Mobilfunkanschlüssen erwartet, betonte Sommer. Erst gestern hatte T-Mobile International-Chef Kai-Uwe Ricke den UMTS-Start für Anfang 2003 angekündigt. Ricke rechnet bis 2010 mit mehr als 25 Millionen UMTS-Kunden in den europäischen T-Mobile-Netzen. Pro Kunde werde ein Monatsumsatz von 120 Mark angepeilt.

Sommer kritisierte erneut die unterschiedlichen Vergabeverfahren in Europa, die zu einem "höchst problematischen Ungleichgewicht" geführt hätten. Konzerne, die in ihrer Heimat für "kleines Geld" zum Zuge gekommen seien, hätten bei UMTS-Auktionen im Ausland kräftig mitbieten können und verfügten jetzt zudem über mehr Mittel zum forcierten Netzaufbau. Die Telekom muss allein in Deutschland mehr als 16 Milliarden Mark für eine UMTS-Lizenz ausgeben, in Großbritannien hatte sie über ihre Tochterfirma One-2-One für umgerechnet mehr als zwölf Milliarden Mark eine Lizenz ersteigert. In anderen Ländern wurden die Lizenzen teilweise kostenlos vergeben.

Der Telekom-Chef stellte einen "schnellen und radikalen Konzentrationsprozess" anstelle eines breiten Wettbewerbsspektrums unter den sechs Lizenzinhabern auf dem deutschen UMTS-Markt in Aussicht. Schon vor der Mainzer Auktion habe es "gewaltige" Bewegungen gegeben, betonte Sommer.

In ihrem traditionellen Geschäft Festnetztelefonie, im Mobilfunk und in Online-Geschäft ist es der Deutschen Telekom im ersten Halbjahr laut Sommer gelungen, ihre Wettbewerbsposition zu stabilisieren beziehungsweise stark auszubauen. Der Konzernumsatz legte durch zahlreiche Unternehmenskäufe um rund 15 Prozent auf 37,55 Milliarden Mark zu; ohne die Neuerwerbe One-2-One aus Großbritannien und SIRIS aus Frankreich hätte das Plus nur sechs Prozent betragen.

Der Konzernüberschuss ging von Anfang Januar bis Ende Juni ohne Sondereinflüsse deutlich auf 700 Millionen Euro zurück; im Vergleichszeitraum 1999 hatte er noch 950 Millionen Euro betragen. Die Telekom begründete den Rückgang mit hohen Kosten für die Kundenwerbung im Mobilfunkbereich. Dank eines Einmalerlöses aus dem Verkauf ihrer Beteiligung am Großkunden-Dienstleister Global One konnte die Telekom ihren realen Konzernüberschuss im ersten Halbjahr indessen auf 4,3 Milliarden Euro um das Dreieinhalbfache steigern.

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