Milliardenspiel

Treiben die hohen UMTS-Lizenzkosten auch die GSM-Preise in die Höhe?

Kommentar zur Zukunft der Mobilfunkdienste nach Abschluss der Versteigerung

Fast genau 100~Milliarden Mark - so viel müssen sechs Telefonfirmen für die UMTS-Frequenzblöcke an Finanzminister Hans Eichel überweisen. Dafür bekommt jede Firma ein "Basispaket" von 2x10 MHz sowie ein Zusatzpaket von 1x5 MHz zur freien Nutzung. Lediglich Viag war bei dem Ringen um die Zusatzpakete frühzeitig ausgestiegen, so dass diesen nur das Basispaket zur Verfügung steht.

Der Verbraucher dürfte das Ergebnis mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Von Vorteil ist auf jeden Fall, dass sich künftig sechs statt bisher vier Firmen um die Gunst der Endverbraucher bewerben. Mobilfunktarife, die sich derzeit bei den beiden führenden Netzbetreibern wie ein Ei dem anderen gleichen, sollten damit der Vergangenheit angehören.

Weniger schön ist aber der hohe Preis, der für UMTS bezahlt worden ist. Die Telefonfirmen werden sich bemühen, das Geld so schnell wie möglich vom Endkunden zurückzuholen. Wenn nach dem Start von UMTS das Telefonieren im Urlaub auf Mallorca billiger ist als zu Hause in Deutschland, dann werden die Mobilfunk-Anbieter das mit dem dezenten Hinweis darauf begründen, dass in Spanien die Lizenzen in einem "Schönheitswettbewerb" vergeben, hierzulande jedoch versteigert worden sind. Dieses Argument dürfte auch dann noch benutzt werden, um Preissenkungen zu verzögern, wenn die Lizenzkosten bereits wieder reingeholt worden sind. Auch die Festsetzung von günstigen Interconnect-Preisen, die Voraussetzung für attraktive Call-by-Call-Angebote, dürfte der Regulierungsbehörde schwer fallen.

Ebenfalls von Nachteil für die Kunden in Deutschland dürfte sein, dass alle bisherigen GSM-Betreiber je eine UMTS-Lizenz erworben haben. Denn die Netzbetreiber wissen sehr gut, dass bei den Basisdiensten (Sprache und Daten bis 57,6 kbit/sek.) im UMTS-Netz kaum mehr Geld verlangt werden kann als im GSM-Netz. Und bis sich lukrative hochbitratige Datendienste im Massengeschäft etablieren, dürften noch etliche Jahre vergehen.

In Folge könnten die GSM-Preissenkungsrunden in den nächsten beiden Jahren deutlich zurückhaltender ausfallen als bisher. Dabei gibt es im Mobilfunkbereich weiterhin diverse Preise, die dringend einer Korrektur bedürften, zum Beispiel in den D-Netzen für Gespräche in Fremdnetze zur Hauptzeit, sowie allgemein für Gespräche ins Ausland.

Für die Verbraucher wäre es daher vermutlich besser gewesen, wenn einer der bisherigen Netzbetreiber keine UMTS-Lizenz bekommen hätte. Dann hätte dieser Anbieter frei vom UMTS-Kostendruck sein GSM-Netz systematisch hochrüsten und gleichzeitig die Preise auf ein Minimum drücken können. So erweitert EDGE GSM auf Datenraten von bis zu 400 kbit pro Sekunde. Doch jetzt ist eher zu erwarten, dass EDGE ausgelassen und direkt auf UMTS hochgerüstet wird.