Bankrott

Aus für Iridium

Satelliten-Telefonnetz stellte kommerziellen Betrieb ein
Von Volker Schäfer
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Das weltweit erste Satellitentelefonnetz, das Telefongespräche von jedem Punkt der Erde mit Handys ermöglicht hat, stellte gestern früh um 6 Uhr Mitteleuropäischer Zeit seinen kommerziellen Betrieb ein. Der Versuch, noch in letzter Minute einen Käufer für Iridium, das nach nur eineinviertel Jahren Netzbetrieb Schulden in Milliardenhöhe hat, zu finden, ist fehlgeschlagen. Noch am Donnerstag hatte Iridium nach eigenen Angaben mit drei Interessenten verhandelt. Zu einem Abschluss kam es jedoch nicht.

Nachdem auch das amerikanische Verteidigungsministerium die Frage, ob man das System für militärische Zwecke übernehmen wolle, verneint hat, werden nun Pläne zur Auflösung des aus 66 Satelliten bestehenden Systems erarbeitet. Die Satelliten sollen in einem Zeitraum von etwa neun bis zwölf Monaten ihre gegenwärtigem Umlaufbahnen verlassen und beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Diese Operation bringt weitere Kosten in Höhe von rund 30 bis 50 Millionen Dollar mit sich.

Motorola, Hauptinvestor von Iridium und Betreiber des Satellitensystems, hat inzwischen angekündigt, den Netzbetrieb aufrecht zu erhalten, bis sich die Pläne zur Deorbitierung der Satelliten konkretisieren. Iridium North America betreibt für diesen Zeitraum sein Gateway weiter und forderte die elf weiteren, auf der ganzen Welt verteilten Gateways auf, ebenso zu handeln.

Bis auf weiteres können Iridium-Bestandskunden somit noch telefonieren. Motorola forderte die weltweit rund 55.000 Nutzer jedoch auf, sich nach alternativen Kommunikationsmöglichkeiten umzusehen. Die Handys, die seit 1. Januar 2000 verkauft wurden, will das Unternehmen sogar zurücknehmen.

Viele Alternativen für weltweite Kommunikation gibt es allerdings nicht. Inmarsat funktioniert nur mit größeren, zumeist in kofferähnlichen Behältern untergebrachten Telefonen. Die Geräte kosten mehr als 5.000 Mark und die Gesprächsminute kostet teilweise 20 Mark und mehr.

GlobalStar, das schon im Herbst letzten Jahres lauthals seinen Netzstart verkündete, kommt mit der Vermarktung, dem Geräteverkauf und den Roaming-Abkommen mit terrestrischen Mobilfunknetzen nicht so richtig in die Gänge. Außerdem ist bei diesem System nur der Name global. Die Weltmeere sowie auch Teile von Alaska, Neuseeland, Rußland, Afrika und die pazifischen Inseln bleiben außen vor.

ICO wird frühestens im kommenden Jahr starten und musste erst vor einer Woche einen herben Rückschlag hinnehmen: Der erste Satellitenstart schlug fehl. Die Startrakete und der Satellit landeten im Pazifik anstatt im Orbit.

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