Zwischenlösung

Call by Call bleibt zunächst unverändert

Fortsetzung des Inkasso bis Ende des Jahres - Telekom muss neues Vertragsangebot vorlegen.
Von Andreas Schlebach / AFP

Die Deutsche Telekom muss nach einer Entscheidung der Regulierungsbehörde auch weiterhin Rechnungen privater Konkurrenten mit eintreiben. Die Bonner Behörde ordnete am Montag nach monatelangem Branchenstreit an, dass die von der Telekom aufgekündigten Inkasso-Verträge mit den Wettbewerbern vorerst bis Jahresende weiter gelten. Sie sehen vor, dass die Telekom gegen eine knapp fünfprozentige Umsatzbeteiligung Rechnungsposten fremder Anbieter mit auf die monatliche Telefonrechnung nimmt, das Geld nach Erhalt aufteilt und an die jeweiligen Firmen weiterleitet. Bis Jahresende müssen die Telekom-Wettbewerber aber auf Verfügung des Regulierers in der Lage sein, Mahnungen, Reklamationen und die gerichtliche Forderungseintreibung selbst zu übernehmen.

Für die Verbraucher bleibt damit bis Jahresende alles weitgehend beim alten: Telefonate, Internet-Anwahl oder Auskunfts- und andere Mehrwertdienste über einen Alternativ-Anbieter können in den meisten Fällen weiterhin per einmaliger monatlicher Überweisung an die Telekom abgegolten werden. Bis zum 30. Juni muss die Deutsche Telekom nach Festlegung der Regulierungsbehörde ein neues Vertragsangebot für ihre Inkasso-Leistungen vorlegen. Den Firmen müsse auch dann noch möglich sein, "diskriminierungsfrei" über die Telekom-Monatsrechnung abzurechnen, mahnte Behördenchef Klaus-Dieter Scheurle. Firmen, die Mahnungen und Reklamationen künftig selbst abwickeln wollen, müssten alle erforderlichen Bestands- und Verbindungsdaten der Endkunden vom Ex-Monopolisten erhalten. Gegen die Herausgabe dieser Kundendaten hatte sich die Telekom stets gesperrt.

Die Deutsche Telekom wollte die Rechnungsabwicklung für Drittfirmen ganz einstellen oder aber neue Bedingungen durchsetzen, die das Call by Call-Verfahren für viele Anbieter unwirtschaftlich gemacht hätten. Sie argumentierte, dass die bestehenden Absprachen nicht kostendeckend seien. Der Branchenverband der privaten Wettbewerber, VATM, hatte im Vorfeld der Regulierungsentscheidung gewarnt, eine Verteuerung des Inkassos durch die Telekom brächte viele Wettbewerber in Schwierigkeiten oder gar an den Rand des Ruins.