Breitband-Handy

UMTS: Neuer Mobilfunk-Standard in den Startlöchern

Übertragungsraten bis zu 2 MBit - Startschuss fällt in Japan.
Von Christopher Paun
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Wer mobil Daten übertragen will, der muss derzeit noch sehr geduldig sein. Bei einer Bandbreite von 9600 Bit/s kann man vielleicht E-Mails übertragen und einfache Internetseiten ansehen. Aber spätestens, wenn man auf eine multimedial aufbereitete Seite kommt, dann braucht man Nerven wie Drahtseile und vor allem eine gut gefüllte Brieftasche, denn für den "Daten-Feldweg" muss man hohe Minutenpreise löhnen.

Mit neuen Techniken wie HSCSD oder GPRS wird sich die Lage zwar verbessern, ein wirklich großer Schritt bei der mobilen Datenübertragung ist aber erst mit UMTS in Sicht. Der neue Standard (Universal Mobile Telecommunications System) ermöglicht Übertragungsraten bis zu 2 MBit. Das ist die 31-fache ISDN-Geschwindigkeit. Die Firma Ericsson, ein führender Entwickler der neuen Technik, hat bereits erfolgreiche Tests des UMTS-Systems abgeschlossen. Im November 99 hat Ericsson die Technik erstmals auf der "PT/Wireless Comm"-Messe in Peking vorgestellt.

Als erstes Land wird Japan in den Genuss von UMTS kommen. Die dortigen Mobilfunk-Netze sind sehr stark ausgelastet und es werden keine weiteren Frequenzen mehr vergeben. Daher ist der Bedarf für ein neues Netz sehr groß. Bereits Ende diesen Jahres wird Ericsson für den japanischen Netzbetreiber NTT DoCoMo mit dem Aufbau eines UMTS-Netzes beginnen. Im Jahr 2001 soll das Netz in den Metropolen Japans bereits in Betrieb genommen werden, während es weiter ausgebaut wird.

In Deutschland wird man sich wohl noch bis 2002 gedulden müssen, meinen Branchenkenner. Erst dann werden die ersten UMTS-Sender vorerst mit einer Bandbreite von 384 kBit - der 6-fachen ISDN-Geschwindigkeit - in Betrieb genommen. Wahrscheinlich wird es Multiband-Handys geben, die sowohl im UMTS-Netz als auch in unseren alten GSM-Netzen funken, weil auch in Deutschland das Netz schrittweise aufgebaut wird.

Rein technisch gesehen könnte man deutlich schneller vorgehen, weil die UMTS-Technik die vorhandene GSM-Infrastruktur nutzt. Die Umrüstung der Netztechnik auf den paketorientierten Standard wird bereits mit der Einführung von GPRS in diesem Jahr erfolgen. Nach Angaben eines Technikers von Ericsson sind anschliessend nur noch kleinere Updates und neue Sender nötig - fertig ist das UMTS-Netz. Doch die derzeitigen Netzbetreiber werden nicht so schnell vorgehen wollen, weil sie möglichst großen Gewinn aus ihren Investitionen in die jetzigen GSM-Netze ziehen wollen.

Mit Abrechnungsmodellen wie Genion hat UMTS auch das Potential, ein echter Konkurrent zum Festnetz zu werden. Heute muss man als Genion-Kunde noch auf größere Datentransfers verzichten. Doch mit dem UMTS-Standard wird es kein Problem sein, sich mal eben einen Kinofilm mit dem Handy herunterzuladen. Eine faszinierende Technik, die bereits entwickelt ist, auf die wir aber noch etwas warten müssen.

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