2000

Ausblick I: Was bringt 2000?

Weitere Preissenkungen im Festnetz zu erwarten - und ein neuer Discounter
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Viele sprechen vom "Neuen Millenium". Trotzdem handelt es sich (auch) um einen ganz normalen Jahreswechsel. Und so wird das Jahr 2000 in vieler Hinsicht so weitergehen wie 1999, auch im Bereich der Telekommunikation. Einige Trends werden sich verstärken, so der zum Mobilfunk und der zur digitalen Anschlussleitungen per DSL.

Im Festnetzbereich ist der große Preiskampf vorerst vorüber. Künftige Preissenkungen spielen sich im Pfennig-, wenn nicht sogar im 0,1-Pfennig-Bereich ab. Das neue Jahr beginnt sogar zunächst mit zwei Verteuerungen: Die bisherigen Tabellenführer Telegate und Microcall erhöhen die Minutenpreise bzw. führen eine monatliche Rechnungspauschale ein. Es dürfte sich hier aber um zwei Ausnahmebewegungen handeln: Microcall hatte sich gegenüber Privatkunden schon immer etwas zwiespältig verhalten und Telegate hatte die günstigen Call-by-Call-Tarife ganz bewusst als Werbeaktion für sich eingesetzt.

Preissenkungspotential kommt dennoch aus drei Quellen: Zum einen hat die Regulierungsbehörde kurz vor Weihnachten deutlich niedrigere Interconnect-Kosten festgesetzt. Am deutlichsten ist die Senkung zur privaten Telefonierzeit zwischen 18 und 21 Uhr sowie am Wochenende zwischen 9 und 21 Uhr. Weiterhin gehen dieses Jahr diverse neue nationale und internationale Glasfaser-Breitbandstrecken in Betrieb. Aufgrund teilweise mehr als vertausendfachter (!) Kapazität sinken die Kosten pro Gespräch auf den interkontinentalen Backbones nach und nach ins bodenlose. In Zukunft werden Telefongebühren nicht mehr für die Entfernung bezahlt, sondern nur noch für das Einsammeln und Verteilen an beiden Enden. Der dritte Grund für Kostensenkungen ist verbilligte Hardware in den Schaltzentralen der Telefonanbieter. Statt über synchrone, leitungsgebundene Telefon-Switches wird in Zukunft über paketbasiert arbeitende Internet-Switches vermittelt. Letztere kosten nur einen Bruchteil der bisherigen Technologie.

Dennoch hat bis jetzt noch kein Festnetzanbieter konkrete Gebührenpläne bekanntgegeben. "Margensicherung" heißt das Stichwort, mit dem die Firmen das Verhalten umschreiben, die gesenkten Kosten zur Aufbesserung ihrer Gewinne zu verwenden. Doch wenn die Margen steigen, wird wieder Platz für Neue. Bereits letztes Jahr erlebten wir, dass die Discounter des Jahres 1998, nämlich MobilCom und TelDaFax, an der Tabellenspitze durch die Discounter des Jahres 1999 wie 01051, 3U und Telegate abgelöst wurden. Für 2000 ist eine ähnliche Entwicklung zu erwarten.

Ein weiterer Grund für das abwartende Verhalten der Konkurrenten ist die Telekom selber. Diese ist per Gesetz bis spätestens Ende März zu einer Preissenkung gezwungen. Bei diesem sogenannten Price-Cap-Verfahren hat die Telekom den Joker, denn dem Regulierer fällt es in diesem Fall schwerer als sonst, Senkungen mit dem Hinweis auf den drohenden Preismissbrauch zu verhindern. Von der Logik her müsste die Deutsche Telekom vor allem einige internationale Tarife senken, denn hier ist der Abstand zwischen Telekom-Preis und Marktpreis am größten: So kostet Australien weiterhin über 2 Mark pro Minute, während die Konkurrenten inzwischen bei unter 20 Pfennig angelangt sind! Doch die Telekom wird den Price-Cap-Topf eher dort für Senkungen verwenden, wo der Abstand zur Konkurrenz auch bisher schon knapp ist, um nach Möglichkeit die anderen Firmen sogar zu unterbieten und dann mit ihren neuen Preisen kräftig zu werben.

Wie stark werden 2000 die Preise sinken? Eine exakte Prognose ist schwierig. Ein Angebot, das für Ferngespräche genauso viel verlangt, wie die Deutsche Telekom zur Zeit für Ortsgespräche, dürfte aufgrund der gesenkten IC-Kosten ab sofort rentabel sein - einen guten eigenen Netzausbau vorausgesetzt. Ein derartiges Angebot sollte sich auch sehr gut vermarkten lassen: "010xy - Ferntelefonieren zum Ortstarif!". Die umgerechneten Minutenpreise würden dabei 8/4,8/3 Pfennig zur Hauptzeit/Freizeit/Nachtzeit betragen, wenn auch in der ungünstigen Abrechnung in 12-Pfennig-Einheiten. Damit würde dieses Angebot auch voll im Trend der immer länger werdenden Taktzeiten liegen. Vielleicht setzt ein Neukömmling ein derartiges Angebot auch um. Microcall liegt mit seinen Preisen bereits in dieser Region - verlangt aber Pre-Selection und ab Januar von Neukunden auch eine Grundgebühr.

Bis Ende 2000 dürfte darüber hinaus noch der eine oder andere Pfennig drin sein, so dass der günstigste Call-by-Call-Anbieter dann Ferngespräche zur Hauptzeit für ca. 6 Pfennig pro Minute im Programm hat. Bei internationalen Gesprächen dürfte ab Mitte 2000 die Grenze von 10 Pfennig pro Minute erstmals von einem Regelangebot erreicht oder sogar unterboten werden. Bisher gab es so günstige Auslandstelefonate nur im Rahmen von Sonderaktionen.

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