Untier

Ausblick III: Was bringt 2000

Wahrscheinlich bleiben wir vom großen Absturz des Jahr-2000-Bugs verschont
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Wenn Medien zur Zeit auf das kommende Jahr(tausend) schauen, dann blicken sie meist nicht weit. Denn gleich am Anfang droht der Jahr-2000-Bug, der in vielen Anwendungen und (schlimmer) Betriebssystemen versteckte Fehler, der die Jahre 1900 und 2000 verwechselt. Die Horrorszenarien - Zusammenbruch der weltweiten Telekommmunikations- und Versorgungsnetze für Strom, Wasser und Waren inklusive Rückfall in die Steinzeit oder zumindest ins Mittelalter - dürften aber nicht eintreffen. Denn selten in der Geschichte ist so gründlich vor einer kommenden Gefahr gewarnt worden wie dieses Mal.

So trudeln auch die ernsten Entwarnungsmeldungen ein, während diese Zeilen geschrieben werden. Neuseeland ist ohne größere Pannen ins Jahr 2000 gekommen. Auch in Japan funktioniert die überwältigende Mehrheit der Web-Server noch.

Dennoch wird der Jahr-2000-Fehler mit Sicherheit einige lustige und einige ärgerliche Blüten treiben. So hat Microsoft soeben einige neue Bücher für Windows 2000 mit dem Erscheinungsjahr 1900 angekündigt...

Ärgerlicher dürften falsche Rechnungen sein - z.B. dann, wenn der Computer zwar die vertelefonierten Einheiten korrekt erfasst hat, die Zahlungen aber nicht berücksichtigt, weil sie dank 1900-2000-Verwechslung zu weit in der Vergangenheit oder in der Zukunft liegen. Genauso kann es passieren, dass angemeldete Kunden bei Telefonfirmen gesperrt werden - schließlich gilt die Anmeldung erst für das Jahr 98 oder 99 der Zeitrechnung, die wieder bei 00 begonnen hat. Es könnte sich also ein kleiner Teil des Chaos wiederholen, das wir 1998 unmittelbar nach dem Start des deregulierten Marktes erlebten.

Das Jahr-2000-Problem kann man ganz allgemein als Überlaufproblem beschreiben - und dieses zieht sich wie ein roter Faden durch die Computerindustrie. 1996 explodierte die Weltraumrakete Ariane V weniger als eine Minute nach dem Start auf ihrem Jungfernflug. Grund: Sie flog schneller als die Vorgängerversion Ariane IV. Das war zu schnell für den Steuercomputer. Die steuerlos gewordene Rakete neigte sich zur Seite und zerbrach aufgrund des dadurch schlagartig gestiegenen Luftwiderstandes.

Weniger drastisch und trotzdem ärgerlich: Ein von mir gern gespieltes Computerspiel stürzt immer dann ab, wenn ich mehr als 32767 Punkte erreiche. Offenbar rechnete der Autor der Shareware nicht mit dem Spieltrieb seiner Kunden und sah nur eine 16-bit-Zahl für den Spielstand vor. So manche Firma musste schon erleben, dass die Buchhaltungssoftware wirre Zahlen ausspuckte, weil der Umsatz bestimmte Grenzen überschritten hatte. Auch so mancher "blue screen" von Windows 95/98/NT dürfte mit internen Überlaufproblemen zusammenhängen.

Trotz aller Computerfehler ging das Leben bis jetzt weiter. Das wird auch beim Jahr-2000-Fehler so sein. Das eigentliche Problem des kommenden Milleniums wird denn auch nicht der Millenium-Bug sein, sondern wahrscheinlich der Treibhauseffekt, bzw. dessen Verhinderung durch die Begrenzung des weltweiten Ausstoßes an Kohlendioxid. So werden eine halbe Million Franzosen dieses Silvester bei Kerzen- und Böllerschein ohne Strom verbringen müssen. Aber nicht verrückt spielende Steuercomputer der E-Werke haben den Strom ausgeknippst, sondern der jüngste Orkan. Metereologen beobachten, dass die Häufigkeit der Wirbelstürme weltweit zunimmt. Viele führen das auf den Treibhauseffekt zurück.

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