2000

Ausblick IV: Was bringt 2000?

Sinkende Kosten beim Mobilfunk?
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Ohne Zweifel geht im neuen Jahr der Mobilfunk-Boom weiter. 30 Millionen Handys scheinen machbar, nachdem im abgelaufenen Jahr die 20-Millionen-Grenze überschritten wurde. Während bei den Laufzeitverträgen inzwischen die Startguthaben in den Himmel wachsen, hat sich bei den Minutenpreisen 1999 nicht viel getan. Telefonate in Fremdnetze kosten weiterhin bis zu 2 Mark pro Minute. Dabei hatte T-Mobil-Geschäfsführer Rene Obermann bereits vor der Internationalen Funkausstellung IFA neue Preissenkungen für den Jahreswechsel angekündigt. Doch das blieben leere Worte. Gerüchten zufolge haben die D-Netz-Betreiber sogar Angst vor drastischen Preisschnitten: Wenn in der Folge sinkender Preise die Nutzung zunimmt, könnten die Netze massiv überlastet werden.

Preissenkungen für Clevere gab es jedoch zuhauf. Die Zahl der Inklusivminutenpakete, Optionen und Spezialnummern wie "City", "Best Friend", "Number One" oder "Home Zone" hat erheblich zugenommen. Wer günstig von der Prepaid-Karte aus telefonieren will, programmiert seinen heimischen Computer als "Number One" und lässt sich per ISDN-Karte weiterverbinden. Einen ähnlichen Service bietet auch ACC seit kurzem als Calling Card an. Bei First Telecom gibt es zu demselben Zweck lokale Einwahlnummern.

Call by Call ist hingegen im Mobilfunk weiterhin in weiter Ferne. Beim neuen UMTS soll es eingeführt werden - jedoch erst nach einer mehrjährigen Schonfrist für die Telefonfirmen. Dabei wäre Call by Call das kurzfristige Ende aller verwirrenden Optionstarife: Die Call-by-Call-Firmen könnten verlangen, dass die Interconnect-Tarife jeweils niedriger festgesetzt werden als die günstigste Option. Die Weitervermittlung kostet dann nur noch Pfennige.

Bis dahin müssen die Nutzer weiterhin auf den guten Willen der Mobilfunkbetreiber hoffen, was es Preissenkungen anbelangt. Am Willen fehlt es aber - wirken sich doch Preissenkungen nachteilig auf den Börsenkurs aus. Nur wer vor Gewinnerwartung und Umsatzrendite strotzt, wird an der Börse hoch bewertet und kann auch in Zukunft sein Geschäft alleine bestimmen. Wessen Aktienkurs sinkt, wird hingegen zum Übernahmekandidaten.

Verstärkt durchsetzen werden sich die digitalen Dienste - egal, ob SMS oder der mobile Internetzugang. WAP steht in den Startlöchern, und es ist zu vermuten, dass die Knappheit beim WAP-Handy Nokia 7110 nicht nur durch bewusst niedrige Produktionszahlen, sondern auch durch intensives Kundeninteresse verursacht ist.

Mitte bis Ende des kommenden Jahres dürfte mit der Einführung von GPRS begonnen werden. Dieser neue Dienst ermöglicht die optimale Nutzung der Mobilnetze für den Datenfunk, indem immer dann Datenpakete eingeschoben werden, wenn zwischen den bestehenden Sprachverbindungen Platz ist. Werden bisher Datenverbindungen im GSM wie Sprachverbindungen auf- und wieder abgebaut, ist GPRS "always on" - zumindest so lange das Handy bei einer Basisstation eingebucht ist. Alle von einer Basisstation versorgten Handys teilen sich dazu die für GPRS zur Verfügung stehende Bandbreite. Nutzt nur eines der Handy GPRS zum Datentransfer, sind die erreichbaren Geschwindigkeiten auch deutlich höher als beim bisherigen mobilen Onlinezugang, der mit 9600 baud nicht gerade berauschend ist.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man bei GPRS nicht nur nach Onlinezeit, sondern alternativ auch nach der übertragenen Datenmenge abrechnen kann. Der Preis von 29 bis 39 Pfennig pro Onlineminute beim bisherigen mobilen Onlinezugang ergibt umgerechnet einen Preis von ca. einem halben Pfennig pro Kilobyte über GPRS. Damit wären wenig datenintensive Anwendungen - Chatten oder das Abrufen des Wetterberichts - über GPRS günstiger als über den klassischen Festnetz-Internetzugang! Teuer wären hingegen umfangreichere Datentransfers: Der Download einer 1 MB großen E-Mail mit Attachment käme auf 5 Mark - im Vergleich zu ca. 10 Pfennig über eine ISDN-Onlineverbindung. Doch über die Preisgestaltung ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Es ist zu erwarten bzw. zu befürchten, dass die Mobilfunkfirmen mit einem gemischten Zeit/Volumen-Tarif die Datenvielnutzer auf Kosten der Wenignutzer bevorzugen. Denn in Summe lässt sich mit einem gemischten Modell wahrscheinlich am meisten verdienen.

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