Umsonst?

Telefonmarkt USA: Ferngespräche zum Nulltarif?

Preiskrieg mit Tendenz zum Nulltarif in den USA: Ferngespräche bald kostenlos?

In den USA ist eine Ära des kostenlosen Telefonierens in Sicht. Hintergrund: der anhaltende Preiskrieg auf dem amerikanischen Markt, der von mehr als 2000 Firmen bedient wird. Telekom-Analysten sind schon jetzt überzeugt, dass es bald Ferngespräche zum Nulltarif geben wird.

Jüngster Werbegag des Branchen-Zweiten MCI Worldcom ist die Ausweitung der sogenannten "Fünf-Cent-Sonntage" auf das ganze Wochenende sowie die Nebenzeiten der Werktage zwischen 19 und 7 Uhr. In dieser Zeit können die Kunden überall in Amerika für umgerechnet knapp 10 Pfennig telefonieren. Zuvor hatte MCI-Rivale Sprint, mit dem bekanntlich die Deutsche Telekom (und France Télécom) das Gemeinschaftsunternehmen Global One betreiben, "Nickel Nights" eingeführt - Nacht-Telefonie für ebenfalls fünf Cent pro Minute.

Sprint, MCI sowie AT & T und QWest machen rund 80 Prozent des Gesamtumsatzes im amerikanischen Telefonmarkt unter sich aus. Dass die TK-Unternehmen die Preise senken und dennoch gutes Geld verdienen, hat im wesentlichen zwei Gründe. Zum einen wurden durch das neue Telekommunikationsgesetz die Preise, die Anbieter von Langstreckenverbindungen an die Regionalgesellschaften abführen müssen, drastisch gesenkt. Zum anderen verlagern die Branchenriesen ihre langfristigen Strategien zusehends auf Internet-Aktivitäten. AT & T etwa wird die Verbraucherprodukte künftig so bündeln, dass die Kunden vom selben Konzern Internet-Zugang, Kabel-Fernsehen und Telefonverbindungen beziehen. Die Telefonie wird dann eher als Marketing-Instrument denn als Umsatzträger fungieren, um dem Endverbraucher das Gesamtprodukt angemessen nahezubringen.

Den weiter schrumpfenden Anteil am heimischen "Long-Distance"-Markt sehen die Großen daher mit entsprechender Gelassenheit. Die billigen Tarife für private Haushalte gleicht MCI durch höhere Gebühren bei Geschäftskunden wieder aus. Und schließlich sind Auslandsgespräche vom inneramerikanischen Preiskrieg ausgenommen. Deutschland-Gespräche von den USA aus sind bei MCI dreimal so teuer wie umgekehrt USA-Verbindungen beim billigsten Anbieter von Deutschland aus. Gelegenheit genug also, das Geld zu verdienen, das der heimische Markt mit "nationalen" Gesprächen (bald) nicht mehr hergibt.