Arbeit

Mit passenden Apps zum "Überall Office"

Erste Eindrücke der "Office Web Apps" von Microsofts Office 2010
Von Hagen Hellwig

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die Zukunft des Computers liegt nicht in immer stärkeren Einzel-PCs, sondern im Netz (Cloud). Hard- und Software, also sowohl die Recheneinheiten, wie die Speicher und auch die Programme sollen künftig online verfügbar sein – erreichbar mit sparsam ausgestatteten Endgeräten, die nur noch als Anzeige- und Steuerinstrument fungieren ("Cloud-Computing").

Diesen Trend hat jetzt auch Microsoft erkannt – der Nahezu-Monopolist, der zukünftig schauen muss, was er statt seiner Betriebssoftware und Anwenderprogramme verkaufen will. Zunächst geht Microsoft mit dem neuen Bürosoftwarepaket Office 2010 den traditionellen Weg: Die Suite bietet als Nachfolger von Office 2007 die gewohnten Programme wie Word, Excel, PowerPoint und Outlook. Neu sind darin vor allem bessere Bildbearbeitungsmöglichkeiten, die Einbindung von sozialen Netzwerken wie Facebook und Xing und – und das ist der revolutionärste Schritt – die Möglichkeit, Dokumente im Internet freizugeben.

Microsoft geht in die Cloud

Die Idee: Ein einmal per Office 2010 erstelltes Dokument soll nicht mehr nur mit eben diesem Programm zu öffnen sein, sondern auch von anderen PCs ohne Office, per Browser und sogar per Smartphone – und das dank Internet von überall. Benötigt werden dafür nur die so genannten Office Web Apps, die noch in diesem Jahr für Privatanwender kostenlos verfügbar sein sollen. Für Unternehmenskunden sind sie bereits seit dem 12. Mai 2010 zu haben. Sie sind werbefinanziert und Bestandteil der Windows Live Services. Wir haben uns schon einmal die Anwendung mit der Beta-Version angeschaut. SkyDrive Die zentrale Microsoft-Festplatte SkyDrive
Bild: teltarif

Ein Dokument wird, um es im Internet verfügbar zu machen, nicht nur auf der eigenen Festplatte, sondern auf der zentralen Microsoft-Festplatte SkyDrive, Bestandteil der Plattform Windows Live, gespeichert. Hier stehen jedem Privatanwender 25 Gigabyte zur Verfügung. Die Anmeldung und der Zugang erfolgt über die "Windows Live ID". Dahinter verbirgt sich naheliegenderweise eine Hotmail-Adresse. Es ist aber auch eine beliebige andere E-Mail-Adresse möglich.

Die Ordnerstruktur auf der privaten SkyDrive-Platte ist im wesentlichen in öffentliche und nicht öffentliche Bereiche gegliedert. Ordner können wie auf der eigenen Festplatte beliebig umbenannt oder neu erstellt werden.

Nervende Werbung

Um von woanders, also von einem anderen PC, Browser oder Handy auf die auf der SkyDrive-Platte gespeicherten Dokumente zugreifen zu können, muss man sich gleichfalls per Windows Live ID anmelden. In der Beta-Version lässt sich Microsoft noch ein "Service Agreement" (leider nur auf Englisch) bestätigen, womit man der möglichen Fehlerhaftigkeit zustimmt und sich außerdem zu einem Feedback verpflichtet. Microsoft finanziert die Services über Werbung, was nervende Einblendungen auf dem rechten Bildschirmrand der Startseiten zur Folge hat. In unserem Fall handelte es sich überwiegend um Kontaktanzeigen mit entsprechend Fotos.

Tücken (hoffentlich nur) der Beta-Version

Die Öffnung eines Word-Dokuments im Anzeigemodus erfolgt zunächst als (werbefreie) App-Datei, die je nach Endgerät kaum vom Original-Dokument zu unterscheiden ist. Die angebotene Funktion "In Word öffnen" funktionierte nicht. Es wurden eine Word-Version auf dem Computer und ein passender Browser verlangt, obwohl der Testrechner diese Vorgaben erfüllt. Microsoft empfiehlt Word-App Mit der Word-App Dokumente bearbeiten
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Bild: teltarif
Internet Explorer 7 für Windows, Safari 4 für Mac und Firefox 3.5 für Windows, Mac oder Linux bzw. die aktuelleren Versionen. Bei der Funktion "Bearbeiten" erschien die Meldung "Neuerscheinungen...Die Bearbeitungsfunktion ist zurzeit nicht verfügbar, ist aber in Vorbereitung." Da blieb vorerst noch die herkömmliche Variante "Herunterladen", um das Dokument bearbeiten zu können.

Bei einem Excel-Dokument erschien die Fehlermeldung "durch anderen Benutzer gesperrt", obwohl das Dokument öffentlich freigegeben war. Lediglich ein PowerPoint-Dokument konnte im Browser mit dem App in eingeschränkter Weise bearbeitet werden, ohne das eigentliche PowerPoint-Programm zu starten. Die eigentliche Idee, Dokumente im Web bearbeiten zu können, ist also noch nicht einwandfrei umgesetzt, was wohl der Beta-Version zu schulden ist. Ansonsten gibt es noch die (meist funktionierenden) Funktionen Dokumente zu kopieren, umzubenennen oder einfach einen Kommentar hinzuzufügen.

Gänzlich Plattform- und Software-unabhängig sollen die Web Apps offenbar selbst laut Microsoft nicht sein. Der Konzern empfiehlt "ein geeignetes Gerät", einen aktuellen Browser (s.o.) und "Office Mobile 2010" (kann kostenlos heruntergeladen werden) für einige mobile Funktionen. Bei den Browser-Empfehlungen für mobile Geräte wird es speziell:

  • Internet Explorer für Windows Mobile 5
  • Safari 4 für iPhone 3G/3GS, BlackBerry 4.X, Nokia S60
  • NetFront 3.4, 3.5
  • Opera Mobile 8.65
  • Openwave 6,2, 7.0
bzw. die aktuelleren Versionen.

Bleibt zu hoffen, dass der die Endversion leistet was sie verspricht und der geneigte Anwender ansonsten auch in Zukunft immer die passende Hard- und Software kombiniert – so, wie wir es von Microsoft gewohnt sind.