Zeitenwende

Segen und Fluch des iPhone-Erfolgs

Erstmals werden die Umsätze im iPhone-Geschäft sinken - Apple muss sich auf neue Zeiten einstellen. Ein neues Erfolgsmodell ist derzeit noch nicht in Sicht.
Von Marie-Anne Winter
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Wenn Apple morgen die neuen Zahlen vorlegt, könnte der gefürchtete Wendepunkt erreicht sein: Die Umsätze des Erfolgsmodells iPhone werden erstmals sinken. Seit dem Marktstart des ersten iPhone im Jahr 2007 ist es Apple immer wieder gelungen, mit neuen Modellen und der Erschließung neuer Märkte das Wachstum seines wichtigsten Produkts zu befeuern - doch jeder Höhenflug kommt irgendwann an ein Ende.

Auch wenn das Smartphone mit dem Apple-Logo ein Status-Symbol ist, mit dem sich viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt gern schmücken - Apple verkaufte allein im vergangenen Weihnachtsquartal 76,8 Millionen Geräte - so sind auch die raffiniertesten Verkaufsstrategien irgendwann einmal ausgereizt. Zumal die Konkurrenz nicht schläft und ebenfalls attraktive Smartphones mit innovativer Technik auf den Markt bringt. Und das zum Teil zu deutlich geringeren Preisen. Wer nicht unbedingt Teil des Apfel-Universums sein möchte, bekommt die aktuelle Technik von asiatischen Herstellern teilweise auch zum halben Preis eines iPhones.

iPad und Apple Watch schwächeln

Erstmals werden die Umsätze aus dem iPhone-Geschäft sinken.Erstmals werden die Umsätze aus dem iPhone-Geschäft sinken. Im ersten Quartal des vergangenen Jahres konnte Apple 61 Millionen iPhones unter die Leute bringen, in diesem Quartal liegen die Schätzungen der Analysten nur bei 51 Millionen Geräten - was ein Rückgang von immerhin 10 Millionen Smartphones bzw. 16 Prozent wäre. Wenn man bedenkt, dass das iPhone-Geschäft der mit weitem Abstand größte Umsatzbringer des Technik-Konzerns ist, tut das ziemlich weh. Im Weihnachtsquartal brachte die iPhone-Sparte 68 Prozent der Umsätze ein und konnte damit unter anderem das schon länger schwächelnde iPad-Geschäft locker ausgleichen. Im Märzquartal des Vorjahres konnte Apple nur noch 12,6 Millionen iPads verkaufen, für dieses Quartal kursieren bereits Zahlen im einstelligen Millionen-Bereich, vermutlich werden es etwas mehr als 9 Millionen Einheiten sein.

Und auch von der Apple Watch sind keine Wunder zu erwarten - hier hüllte sich Apple von Anfang an in beredtes Schweigen. Wären hier Verkaufsrekorde zu vermelden gewesen, hätte Apple diese gewiss nicht geheim gehalten, sondern öffentlichkeitswirksam verkündet. Branchenexperten gehen hier sogar von einem drastischen Einbruch aus, nachdem die Schätzungen für das Weihnachtsquartal bei 4,1 Millionen Apple Watches gelegen haben, werden für das abgelaufene Quartal nur noch etwa 2,8 Millionen geschätzt. Für das Gesamtjahr 2016 liegen die Verkaufserwartungen bei nur 11 Millionen Smartwatches aus dem Hause Apple. Selbst das über die vergangenen Jahre erstaunlich solide Geschäft mit der ältesten Apple-Sparte, den Mac-Computern, ist unter Druck geraten und schrumpft, wenn auch nicht so stark wie der PC-Markt überhaupt. Im ersten Vorjahresquartal wurde 4,7 Millionen Macs verkauft, für dieses Jahr erwarten die Analysten 4,6 Millionen.

Software und Dienste

Insofern ruhen die Erwartungen nun mehr auf dem Geschäft mit Software und Apple-Diensten wie iTunes oder Apple Music. So soll Apple mit iTunes in vergangenen Quartal bereits 6 Milliarden Dollar umgesetzt haben. Allerdings ist auch Apple Music nicht der erwartete Überflieger - die Kunden schimpfen über die mangelnde Nutzerfreundlichkeit des Musik-Dienstes, der trotzdem binnen 6 Monaten 10 Millionen zahlende Nutzer erreichen konnte. Aber angesichts der vielen Millionen Apple-Kunden, die den Dienst nach dem Start drei Monate lang gratis ausprobieren konnten, ist das dann doch nicht so überzeugend.

Apple selbst hat in seinem Ausblick im Januar die zu erwartenden Umsätze für das erste Quartal mit 50 bis 53 Milliarden Dollar vergleichsweise zurückhaltend eingeschätzt - im Vorjahr lagen sie nämlich bei 58 Milliarden Dollar. In den folgenden Quartalen dürfte es ähnlich weiter gehen, denn ein schlagendes Erfolgsprodukt ist nicht in Sicht. Das neue, kleine iPhone SE wird zwar gut angenommen, es wird den Wachstums-Rückgang aber bestenfalls ein bisschen bremsen und keinesfalls aufhalten können. Ähnlich sieht es mit dem iPhone 7 aus - selbst wenn es tatsächlich die erwartete Superkamera an Bord haben sollte, werden die Leute nicht alle ihre teuren Vorgängermodelle in die Tonne kloppen, um Apple doch noch zu neuen Rekorden zu verhelfen.

Was wird das nächste iPhone?

Zwar bastelt Apple an zahlreichen neuen Produkten, doch auch hier waren in den vergangenen Jahren eher Flops als Erfolge zu vermelden - so ist der immer wieder gehypte Apple-Fernseher inzwischen tot und begraben, ein eigenes Fernsehangebot aus dem Hause Apple geistert allerdings weiterhin durch die Gerüchteküche. Und dann ist da natürlich noch das iCar von Apple. Zwar haben die deutschen Autobauer den US-Konzern abblitzen lassen - die Konflikte sind hier im Grunde ähnlich wie beim Fernseh-Angebot: Die etablierten Player wollen die Hoheit über ihre Kundenbeziehungen und die Daten der Kunden nicht an Apple abtreten und sie wollen auch nicht, dass ein aus ihrer Sicht branchenfremder Konzern ihnen sagt, wo es künftig lang geht.

Das heißt aber nicht, dass Apple seine Ambitionen nun aufgibt. Die großen Spieler der Handybranche haben schließlich auch nur müde gelächelt, als Steve Jobs verkündet hat, er werde das Smartphone neu erfinden. Tatsächlich hat das iPhone den damaligen Marktführer Nokia binnen weniger Jahre aus dem Markt gekegelt. Zwar ist nicht gesagt, dass Apple einen solchen Erfolg in anderen Branchen wiederholen kann - aber unterschätzen sollte man diese Möglichkeit trotzdem nicht.

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