4G-Watch

Telefonieren mit der Apple Watch: So geht's

Wir haben untersucht, wie es möglich ist, mit der Apple Watch Series 3 zu telefonieren und auf welchen Wegen es nicht funktioniert. Über Mobilfunk sind Anrufe demnach nicht in allen Fällen möglich.

Warum aber kam die Verbindung überhaupt nicht zustande? Das zeigte sich in einem weiteren Test, etwa zehn Kilometer von ersten Standort entfernt. Hier steht im Telekom-Netz - anders als am ersten Standort - neben LTE und dem von der Apple Watch nicht unterstützten GSM-Standard auch UMTS zur Verfügung. Nun konnten die Verbindung aufgebaut und das Telefonat geführt werden.

Apple Watch 3 LTE 38mm

Im Menü kann die Mobilfunk-Schnittstelle ein- und ausgeschaltet werden Im Menü kann die Mobilfunk-Schnittstelle ein- und ausgeschaltet werden
Foto: teltarif.de
Dieses Verhalten ließ sich in weiteren Tests reproduzieren. Sprich: Die Apple Watch Series 3 stellt immer dann, wenn sie mit dem Mobilfunknetz anstelle von Bluetooth oder WLAN verbunden ist, die Sprachverbindungen generell über die eigene Hardware und nicht über den Umweg des iPhone her. Das aber funktioniert nur, wenn am Aufenthaltsort das UMTS-Netz verfügbar ist.

Apple Watch ohne VoLTE-Support

Im Test hat sich gezeigt, dass der VoLTE-Standard von der Mobilfunkschnittstelle der Apple Watch Series 3 nicht unterstützt wird. Bei der Deutschen Telekom ist es generell üblich, dass MultiSIMs die Telefonie über das LTE-Netz ermöglichen, sodass der Fehler nicht auf Seiten des Netzbetreibers zu suchen ist. Vodafone bietet VoLTE in Verbindung mit der UltraCard noch gar nicht an, bei o2 ist nur eine von bis zu fünf SIM-Karten für VoLTE geeignet, wobei die Mitbewerber der Deutschen Telekom die eSIM der Apple Watch ohnehin nicht unterstützen.

Da die VoLTE-Unterstützung fehlt, erfolgt der Verbindungsaufbau dank Circuit Switched Fallback (CSFB) auch dann über UMTS, wenn die Apple Watch für Datendienste gerade den LTE-Standard nutzt. Das ist für den Kunden in Gegenden, in denen beide Netzstandards ausgebaut wurden, abseits einer leichten Verzögerung beim Gesprächsaufbau kein Nachteil. Hält man sich allerdings an einem Ort auf, wo die Telekom zwar LTE, nicht aber den UMTS-Standard anbietet, lassen sich über das Mobilfunknetz zwar Benachrichtigungen empfangen. Künftig wird auch Musikstreaming möglich sein. Telefonate können in diesem Fall aber nicht geführt werden.

GSM-Unterstützung wäre für Telefonie sinnvoll gewesen

Über UMTS lassen sich Telefongespräche führen Über UMTS lassen sich Telefongespräche führen
Foto: teltarif.de
Die Beschränkung der Telefonie mit der Apple Watch auf UMTS-Mobilfunknetze bedeutet für viele Besitzer der neuen Smartwatch, dass sie dieses Feature nur bedingt nutzen können. Schon heute ist das LTE-Netz der Deutschen Telekom wesentlich weiter ausgebaut als der UMTS-Standard. Auch innerhalb von Gebäuden sind die 4G-Signale auf 800 bzw. 1800 MHz physikalisch bedingt oft besser zu empfangen als das auf 2100 MHz beheimatete 3G-Netz.

Es mag technische Gründe haben, warum Voice over LTE nicht genutzt werden kann. Wünschenswert wäre dann aber eine Unterstützung der GSM-Netze gewesen, die nach wie vor die größte Flächendeckung aufweisen und somit gerade für die Telefonie so etwas wie die "Grundversorgung" darstellen. Mit UMTS als alleinigen Standard für Anrufe mit der Apple Watch setzt der Hersteller auf ein veraltetes System, das von den meisten Netzbetreibern nicht weiter ausgebaut wird. Im Zuge der Einführung von LTE 900 hatte die Telekom zudem im Frühjahr schon verkündet, UMTS werde perspektivisch als erster der drei bestehenden Netzstandards wegfallen. Das wird sicher nicht schon in den nächsten Jahren geschehen. Dennoch ist die Einschränkung für Apple-Watch-Käufer durchaus gravierend.

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