Update abgelehnt

Editorial: Wie geschlossen ist die Apple-Welt?

Apple gegen Pebble: Bleiben andere Smartwatches auf dem iPhone nach dem Start der Apple Watch außen vor? Und muss das iPhone in Zukunft nicht noch mit viel mehr Geräten reden können?

Apple sperrt die Pebble aus Apple sperrt die Pebble aus
Screenshot: teltarif.de
Die (vorübergehende) Ablehnung eines App-Updates durch Apple schlug hohe Wellen ob der Begründung: Das vom Entwickler eingereichte Update der maritimen Navigations-App SeaNav war nämlich deswegen zurückgewiesen worden, weil in der App und der App-Beschreibung eine "andere" (nicht-Apple) Mobilplattform genannt worden war: Die Pebble-Smartwatch. Entsprechend groß war die Verärgerung in der Community, dass pünktlich zum Beginn der Auslieferung der Apple Watch Apple die Tür zumacht und verbietet, dass iPhone- und iPad-Apps mit fremden Smartwatches kommunizieren.

Apple Watch (38mm)

Ob des heftigen Medienechos ruderte Apple schon am nächsten Tag wieder zurück und gab die SeaNav-App unverändert frei. Sowohl in der App als auch in der App-Beschreibung darf weiterhin die Pebble erwähnt werden. Nach diesem Präzedenzfall und der schnellen Reaktion ist davon auszugehen, dass auch andere Apps, die mit der Pebble kommunizieren, weiterhin von Apple zugelassen werden, inklusive der Pebble-App selber.

Die aktuelle Episode wirft erneut ein Licht auf die geschlossene IT-Welt Apples. Diese bringt für die Verbraucher einige Vorteile, insbesondere bei der Bedienung, weil nicht auf so viele verschiedene Varianten Rücksicht genommen werden muss wie bei anderen Systemen. Beispiel Treiber: Da Desktop-PCs, anders als Macs, eine sehr große Vielfalt unterschiedlicher Hardware unterstützen, sind entsprechend viele unterschiedliche Treiber nötig. Und so mancher Bluescreen der frühen Windows-Versionen war am Ende gar nicht die Schuld Microsofts, sondern die von Drittanbietern, die ihre Hardware-Treiber schlampig programmiert hatten.

Ebenso bringt eine geschlossene IT-Welt aber auch zahlreiche Nachteile. Apple-Nutzer haben eben weniger Hardware zur Auswahl, und was es gibt, kostet oft einen deutlich höheren Preis als vergleichbare Konkurrenz-Produkte. Und während die Konkurrenz sich inzwischen zum Glück auf vergleichsweise wenige Kabelsysteme geeignet hat (etwa Micro-USB oder HDMI), brauchen Apple-Geräte zur Verbindung mit der Außenwelt in vielen Fällen ihre eigenen, spezifischen Kabel.

Oft müssen Nutzer bei Apple auch etwas länger auf eine Innovation warten. Beispiel SeaNav: Es ist verständlich, dass Skipper an Deck nicht mit einem empfindlichen Smartphone hantieren wollen, sondern relevante Informationen lieber an eine Smartwatch streamen. Die wasserdichte Pebble gibt es schon seit über zwei Jahren, die Alternative von Apple seit zwei Tagen. Die Apple Watch kann sicher mehr als die Pebble, aber für viele Zwecke reicht eben auch die deutlich günstigere Pebble.

Immer mehr persönliche Geräte

Apple sperrt die Pebble aus Apple sperrt die Pebble aus
Screenshot: teltarif.de
Zu meinen Kindheitszeiten waren Taschenmesser sehr beliebt: In einem kompakten Gehäuse sind Messer, Schere, Säge, Korkenzieher, Flaschenöffner, Schraubenzieher und teils noch einige weitere mechanische Hilfsmittel integriert. Das Smartphone ist nun so etwas wie das Taschenmesser des Elektronik-Zeitalters: Handy, Kamera, MP3-Player, Internet-Browser, Navigationsgerät, portable Spielekonsole und vieles, vieles mehr stecken darin.

Parallel zum Smartphone-Boomm nimmt aber auch die Zahl der mit Kommunikations-Chips ausgestatteten Elektronik-Produkte immer weiter zu, und zwar für Spiel und ernsthafte Anwendungen gleichermaßen: Helikopter-Drohnen mit und ohne Kamera, Smartwatches, Fitness-Armbänder, Datenbrillen, fernabfragbare Autos und, und, und. Würde Apple sich anmaßen, für jede dieser zahlreichen Anwendungen ein führendes Produkt entwickeln zu wollen, sie würden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit verzetteln und scheitern. Die Konsequenz ist klar: Das iPhone muss mit den zahlreichen mobilen Gadgets auch von Drittherstellern zusammenarbeiten können. Andernfalls wären iPhone-Nutzer schnell isoliert, oder sie müssten dauernd fürchten, die Unterstützung für erworbene Drittanbieter-Produkte zu verlieren, sobald Apple eine bestimmte Gerätekategorie (wie Smartwatches) selber herausbringt.

Von daher war der schnelle Rückzieher von Apple richtig und konsequent. Hut ab vor der schnellen Entscheidung!

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