Ticket-Apps

Digitale Brieftasche mit Apple Wallet, Google Pay & Co.

Die Geld­börse platzt beinahe, so viele Karten stecken darin. Dazwi­schen quet­schen sich Tickets, Coupons und Co. Schlaue Apps fürs Smart­phone wollen helfen, dieses Chaos zu besei­tigen.

Kundenkarten und Tickets werden zunehmend digitaler Kundenkarten und Tickets werden zunehmend digitaler
picture alliance/Jens Büttner/ZB/dpa
Ob für Bahn, Flieger oder Kino: In Tasche oder Porte­monnaie nach Tickets kramen nervt. Alter­nativ kann man einfach das Smart­phone mit einem Barcode vor die Scanner halten. Und der digi­tale Weg kann Unmengen Papier und Plastik sparen.

Mit der iPhone-App "Wallet" etwa lässt sich eine digi­tale Brief­tasche einrichten. Auch für Android gibt es eine Reihe ähnli­cher Apps. Vor allem "Google Pay" orien­tiert sich funk­tional stark am Konkur­renten Apple. In Verbin­dung mit einem NFC-Funk­chip unter­stützen sowohl "Wallet" als auch "Pay" kontakt­loses Bezahlen, wenn man seine Kredit­karte hinter­legt hat - und die karten­ausge­bende Bank mitspielt.

Spei­chern klappt nur beim rich­tigen Format

Kundenkarten und Tickets werden zunehmend digitaler Kundenkarten und Tickets werden zunehmend digitaler
picture alliance/Jens Büttner/ZB/dpa
Und wie funk­tioniert das Spei­chern von Eintritts­karten fürs Kino, Tickets für die Bahn oder Boar­ding-Karten für den Flieger? Dazu muss der Anbieter das Ticket mit der Datei-Endung "pkpass" bereit­stellen. Man kann das Ticket direkt aus der Mail oder der Buchungsapp etwa in "Wallet" sichern. Auch für Android gibt es Apps wie "WalletPasses", die "pkpass"-Doku­mente öffnen und spei­chern können.

Als weiterer Beitrag von Apps zu einer schma­leren Brief­tasche kann man zahl­lose Kunden-, Mitglieds-, Rabatt- und Bonus­karten digital verwalten. Ein Klas­siker fürs Spei­chern der Mitglieds-, Treue- oder Bonus­karten ist die kosten­lose App "Stocard" (iOS und Android).

Guthaben oder Punk­testände anzeigen lassen

Laut der Zeit­schrift "connect" kann "Stocard" die Karten von über hundert Anbie­tern spei­chern und - anders als "Wallet" - auch die Punk­testände und Guthaben der Nutzer bei Auto­clubs, Einzel­händ­lern, Baumärkten, Discoun­tern, Tank­stellen oder Kaffee­läden abrufen.

Einschrän­kung: Beim Anlegen der Karte müssen Kunden oft auch die Login-Infor­mationen für die zuge­hörigen Online-Portale eintragen, damit Stocard darauf zugreifen kann, erklärt "connect"-Autor Hannes Rügheimer, der Kunden­karten-Apps getestet hat.

"Das sind sensible Daten, daher sollte man den Zugriff auf die App in den Einstel­lungen von Stocard absi­chern", so Rügheimer. Die App kostet nichts, tauscht aber mit den diversen Karten-Ausge­bern Daten aus und wirbt für spezi­elle Aktionen.

Android-Nutzer brau­chen oft mehr als eine App

Während Apple mit seiner haus­eigenen App nur für wenige Anbieter wie "Stocard" Raum gelassen hat, gibt es für Android-Nutzer keine Google-Lösung, die über "Pay" weit hinaus­geht. Zum einen unter­stützen viele Banken und Kredit­karten­unter­nehmen den Service. Zum anderen arbeiten viele Museen, Kinos, Flug­gesell­schaften und andere Dienst­leister mit "Google Pay" zusammen, sofern die Tickets und Eintritts­karten in besagtem "pkpass"-Format vorliegen.

Neben "Stocard" empfiehlt Hannes Rügheimer für Android drei weitere Apps zum Auspro­bieren: Zum einen das über­sicht­liche "WalletPasses". Weitere Android-Kandi­daten, die im "connect"-Test gut abge­schnitten haben, sind "Pass2U" mit einer Scan­funk­tion zum Einlesen diverser Barcode-Typen und "OneWallet", das eben­falls über­sicht­lich sortiert.

Gläserner Kunde wird noch durch­sich­tiger

Doch wer Kunden- und Rabatt­karten ohnehin kritisch beäugt, wird keine dieser Apps schätzen, sagt Georg Tryba von der Verbrau­cher­zentrale Nord­rhein-West­falen. "Der limi­tierende Faktor bei der Masse an Kunden- und Mitglieds­karten war bisher der Platz in der Geld­börse." Doch mit Apps gebe es jetzt keine Grenzen mehr. Die Warnung vor dem gläsernen Kunden sei somit aktu­eller denn je.

"Oft liefern Kunden viele Daten für wenige Prozente Rabatt", warnt Tryba. "Da muss man sich fragen: Lohnt sich das?" Sein Tipp: Besser Preise verglei­chen und sich nicht wegen Kunden­karten an wenige Anbieter binden.

Die digi­tale Brief­tasche trägt nicht auf

Ein weiteres Risiko: Rabatt­karten-Anbieter bieten in ihren Apps neben dem Punk­tesam­meln auch eine Bezahl­funk­tion. Das ermög­liche noch genauere Einblicke ins Konsum­verhalten für pass­genaue Werbung, mahnt Tryba. Die Lösung: Daten­spar­samkeit.

Für Hannes Rügheimer steht dagegen der prak­tische Nutzen im Vorder­grund. Zwar gebe man unter Umständen noch mehr über sich preis, doch biete die digi­tale Brief­tasche einen großen Vorteil: "Eine Brief­tasche, die wieder ohne aufzu­tragen in Sakko oder Hosen­tasche bezie­hungs­weise in die kleine Hand­tasche passt."

Ende Februar machten Meldungen über eine Sicher­heits­lücke bei Google Pay im Zusam­menhang mit PayPal die Runde. Mehr dazu lesen Sie in einer weiteren Meldung.

Mehr zum Thema Apps